Stories
Andeeee goes Wacken: Das Tagebuch - Teil 1
Etwas Böses war dort draussen in den Kornfeldern. Nämlich ich. Der Andeeee ist über Wacken gekommen. Dort habe ich unter anderem einen Schlamm-/Kuhscheisse-Weitrutschwettbewerb gewonnen. Mit Glasscherben drin. Meine rechte Bauchseite sieht aus wie die von Iggy Pop. Nur dicker. Iggeeee!!! Aber der hat ja gar nicht gespielt. Doch der Reihe nach. Lest den mit zittrigen Händen getickerten Vater aller Festivalberichte und dann Scream For Me Vainstream!
Tag 1: Unproblematische Anreise. Ein herzliches Willkommen und fleißig/freundliche Ordner ermöglichen uns einen schier atemberaubenden Zeltaufbau. Noch schnell unser Kräuterbeet mit den Gartenzwergen angelegt und los geht’s. Das große Gelände ist noch dicht, dafür spielt auf dem „kleinen“ bereits die Feuerwehrkapelle Wacken. „Wacken! Wacken! Feuerwehr!“ Nach 20 Minuten bin ich schon heiser und leicht angelustigt. Auf der Wetstage spielen Metakilla …na!? … ratet selbst. Es ist so proppevoll, dass ich ohne Sichtkontakt headbangen muss. Das soll mir nicht noch mal passieren. Kurz vor Mambo Kurt führe ich meine Posse listig auf eine kleine Lichtung vor der Theke und stelle erst fest, warum hier keiner stehen mag, als ich schon auf der Fresse liege. Daher also der Name Wet Stage. Das schwarze Bein ist übrigens meins. Mambo Kurt kickt natürlich dermaßen Ass, dass ich irgendwann zwei meiner drei Gehirnhälften ausschalte. Ich sach nur: The Orgel has landed. Muss ins Bett.
Tag 2: Vogelzwitschern? Neeee … Der wahnsinnige Jan hat sich in den Kopf gesetzt, um 07:30 Uhr ein herzhaftes Lammcurry vorzubereiten. Der heißt nicht nur Koch, der kocht auch. Daher musste auch das Kräuterbeet mit. Schnell ein Frühstücksjever, den kochenden Koch von der Kochstelle weggerissen, den rasenden Roland und den nickenden Nick eingesackt und auf zum Stadt-Test. Sollten in Wacken Häuser stehen, so verschwinden sie dieser Tage hinter Milliarden schwarz gekleideter Humanoiden. „Ich trage schwarz, bis es was dunkleres gibt“ ist nur einer von vielen Shirt-Brüllern. Ich habe mich inzwischen darauf spezialisiert, Menschen in Black Label Society-Klamotten zu umarmen, weil ich mich von meinen Mitstreitern zum Präsidenten des Chapters Klein-Bünstorfer Heide habe wählen lassen. Flugs ein großes Astra-Frühstück (3 Flaschen) in der 1 Euro Bar, die nix anderes ist, als ein gestern noch gepflegter Vorgarten. Wir schleppen uns weiter und entdecken einen netten Hinterhof, wo es Korn und Bier gibt. Gegen 11:00 Uhr erste Aussetzer. Pause. 15:30 Uhr. Das Lammcurry war lecker und ich bin auf dem Weg der Besserung. Die Zeltnachbarn schlauchen. Wir müssen vorsichtiger werden.
Schnell zum Gelände, denn gleich eröffnen GIRLSCHOOL … yeah!!! … offiziell das Festival. Ich komme nur langsam vorwärts, weil gefühlt jeder zweite hier ein BLS-Shirt trägt, obwohl die gar nicht spielen. Mir tun schon die Oberarme weh vom Umarmen. Girlschool rocken. Das war nicht anders zu erwarten. Danach zu Nashville Pussy, obwohl auf der anderen Bühne die hübsche Tochter von Steve Harris spielt. Aber leider kann ich meine Augäpfel nicht unabhängig voneinander drehen, sodass ich mich für die Band mit zwei Frauen entscheide. Die Show ist ganz nett, die Mädels bringen große Gesten, aber so recht kickt das leider nicht bei Sonnenschein. Ich glaube, die Band gehört eher in verschwitzte Clubs.
Nachdem mich die CD schon weggepustet hat, fiebere ich mehrere Liter Bier der Hitze wegen vertilgend, dem Auftritt von Airbourne entgegen. Die inoffiziellen Nachfolger von AC/DC und Rose Tattoo wurden ja bereits mit diversen Vorschusslorbeeren bedacht und entsprechend hoch ist die Erwartungshaltung. Und was soll ich sagen …. neeee … ich kann gar nix sagen. Fix und fertig. Iron Maiden mal außer Konkurrenz gesehen – Airbourne waren DIE Band des Festivals! Eine Wand aus Rock’n’Roll und die Reinkarnation von Bon Scott in Form eines völlig entfesselten Frontmanns. Als der Typ auch noch mit seiner Klampfe am Gerüst der wirklich riesengroßen Blackstage hochklettert und unterm Dach ein Solo abfackelt, brennen alle Sicherungen durch. Airbourne!
Mit dem ersten Schleudertraume des Festivals trinke ich ergriffen der Night To Remember entgegen. Iron Maiden. Versoffen nostalgisch erinnere ich mich an meinen ersten großen Konzertbesuch nach der Wende für teuer Westgeld. Das Ticket hängt in diesem Moment links neben mir an meiner Ruhmeswand. Und wen habe ich damals vor gut 19 Jahren wohl gesehen? Richtig! Priest ….. hchrrzzz … kleiner Journalistenscherz. Maiden natürlich, ihr Dummies. Und so habe ich sie noch gut im Ohr, die Maiden! Maiden!- Sprechchöre, die just in diesem Moment wieder aufbranden. 75.000 Menschen fiebern vor der noch geheimnisvoll verhängten True Metal Stage der wohl größten Metalband aller Zeiten entgegen. Die verstecken sich bestimmt hinter dem Vorhang, denke ich überlegen und: richtig!
Bei einem herrlich posigen Videointro, in dem der sterbliche Fan unter anderem die bandeigene Boeing 757 bestaunen darf, fällt das Tuch und eröffnet freie Sicht auf die gewaltige Kulisse, die unter anderem aus den legendären Powerslave-Aufbauten besteht. Grimmig funkelt die Eddie-Sphinx über ihre Jünger. Bruce Dickinson präsentiert sich fit, bestens gelaunt und stimmgewaltig. Scream For Me Wacken! Großes Kino, als Herr Dickinson wie ein Rohrspatz die arme Crew einer Krankamera angiftet, die ihm mit dem Teil vor der Nase rumfuchtelt und so die freie Sicht auf sein geliebtes Publikum verwehrt: “This is not a fuckin’ TV-Show you fucking Fuckers!” Musikalisch gibt es natürlich das zu erwartende Hitgewitter: The Number Of The Beast, Powerslave, The Trooper, Run To The Hills und so weiter. Dazwischen Pyros, zweimal Monster Eddie – einmal als Mumie, einmal als Cyborg mit eindeutig obszöner Geste.
Maiden machen ihr Publikum fix und fertig. Noch Stunden später, als ich mit Bierschaum vor dem Mund und mal wieder Schlamm am Bein ins Zelt krieche, habe ich den unverwechselbaren Steve-Harris-Klackerbass im Schädel. Scream For Me Wacken, röchele ich heiser dem bereits schnarchenden Roland ins Ohr. Noch ein paar mal rütteln und röcheln und wach isser. Ein letztes Salutbier auf die Jungfrauen und gespannt dem Morgengrauen entgegenschlummern. Was mag da noch kommen? Lest mehr in Teil 2. In Kürze auf Vainstream.
Euer Andeeee
von Andreas Puchebuhr | 06.08.2008 | Kommentare (1) | Kommentar schreiben
Kommentare (1)
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