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Nachbericht: Hot - Hotter - Southside!!!

Foo Fighters - Southside 2008In diesem Jahr konnten alle, die sich nach dem Wetter-Desaster von 2007 mit neuen Gummistiefeln eingedeckt hatten, diese direkt gegen Sonnencreme Lichtschutzfaktor 25 eintauschen. Die kam nämlich mindestens genauso oft zum Einsatz, wie Wasserwerfer und Regenschirme, die kurzerhand zum Sonnenschutz umfunktioniert wurden. Der Wettergott meinte es extrem gut mit der rockenden Nation, die sich bereits am Donnerstag Mittag in großer Schar am Flugplatz von Neuhausen ob Eck tummelte.
Obwohl das Kartenkontingent auch in diesem Jahr wieder erweitert wurde, war das Southside bereits vor Beginn restlos ausverkauft. 50.000 Fans feierten in diesem Jahr wieder eine friedliche Rockparty und jubelten den rund 60 angereisten Bands zu.

Nachdem sich Tausende von Fußball-Fans am Donnerstag Abend beim Sieg der deutschen Kicker über Portugal auf der Landebahn mit Bierduschen und Jubelgesängen auf ein grandioses Festivalwochenende einstimmten, wurde der Freitag von den hierzulande eher unbekannten Die Mannequin aus Ontario eingeläutet, die mit Ihrer pornösen Frontfrau die Massen vor der Blue Stage erst mal so richtig wachrüttelten.
Während die Donots und Flogging Molly der Menge so richtig einheizten, wurden auf der Zeltbühne und der Green Stage die Indie-Fans mit The Cribs, den Pigeon Detectives und Razorlight beglückt. Nach so viel Abzappel-Potential wurden in den Abendstunden dann ruhigere Töne angeschlagen. Nachdem Sigur Ros die Fans auf einen wie immer fulminanten Ausflug nach Island mitnahmen und zwischen den bekannten ruhigen Songs ihrer alten Alben auch neue, überraschend fröhliche Stücke des bald erscheinenden, neuen Longplayers vorstellten, lieferten Black Rebel Motorcycle Club einen souveränen und extrem coolen Gig ab, der die Menschen vor der Bühne so sehr in ihren Bann zog, dass viele tätsächlich erst später zum Headliner Radiohead abwanderten. Mit einer faszinierenden Lichtshow, den bekannten Knallern von früher und neuen Songs wurden die Meister des leicht Sonderbaren dann aber doch frenetisch gefeiert und übergaben den Abend an The Kooks, die Ihren Headliner Job mit einer soliden, wenn aber auch leicht eintönigen Leistung erledigten.

Der Samstag stand ganz im Zeichen der deutschen Helden. Nachdem am Nachmittag zu Turbostaat, Kettcar und Tocotronic gegröhlt wurden durfte, platzte am Abend das Zelt aus allen Nähten, da dieses die Anhängerschaft von The Notwist bei weitem nicht fassen konnte. An den Eingängen bildeten sich daraufhin riesige Trauben, die dann zumindest zu den Tönen dieser Ausnahmeband auf dem Rasen chillten. Kurz nachdem Monster Magnet mit einer schwergewichtigen Leistung die Green Stage verließen, zeigten die Beatsteaks und Jan Delay dann aber, was es wirklich heißt, Menschen in Überzahl vor den Bühnen zu versammeln. Selten habe ich beide Bühnen zeitgleich so gut besucht erlebt! Und offensichtlich haben beide Acts eine derart gute Show abgeliefert, dass jeder Befragte von sich behauptete, beim geileren Konzert der beiden „Kontrahenten“ gewesen zu sein. Na wenn das mal kein Erfolg ist! Wer braucht da noch riesige, arrogante Ami-Bands?

Der Sonntag allerdings stellte die Mehrzahl der Festivalfreunde dann aber doch vor eine harte Aufgabe: wann entscheide ich mich für welche Band und wie kann ich möglichst viel von allem mitnehmen? Der Timetable war so voll gepackt und eng gestrickt mit gigantischen Zeitgleich-Auftritten, dass auch mir hier leider einiges durchgegangen ist, was ich gern gesehen hätte. The (International) Noise Conspiracy rockten mit ihrem völlig hyperaktiven Frontmann die Bühne bereits um 14:00 in Grund und Boden und läuteten damit einen Feier-Marathon ein, an dem sich The Subways, Millencollin, Rise Against und Madsen nur zu gerne beteiligten! Trotzdem muss hervorgehoben werden, dass direkt nach Blackmail (die bereits eine äußerst angenehme Stimmung im Zelt erzeugten) die mit Abstand geilste Performance von Biffy Clyro abgeliefert wurde. Die Jungs brachten das Zelt so was von zum Kochen, dass jeder der nur mal zufällig reingelatscht kam, sich spontan zum Bleiben entschied. Die sympathischen Mannen aus Glasgow spielten extrem geile Live-Versionen einiger Lieder ihres aktuellen Albums Puzzle, streuten beiläufig noch ein paar Hits von früher ein und schoben dann ganz unauffällig die neue Single ein, die (obwohl völlig unbekannt) dankbar angenommen wurde. Billy Talent spielten so ziemlich das gleiche Set, wie vor 2 Jahren, allerdings ohne die Massen zu langweilen. Was aber vielleicht auch daran lag, dass einige wohl oder übel an der Green Stage ausharrten in froher Erwartung auf die heiß ersehnten Foo Fighters. Diese spielten mit Best Of You und einer wunderschön ruhigen Version von Hero viele Klassiker gepaart mit den neuen Hymnen Pretender und Long Road to Ruin. Obwohl die Jungs ganz gut drauf waren, wurde auf der Bühne nur sehr wenig rumgekaspert und für meinen Geschmack auch ein wenig zu viel Zeit für instrumentales Rumgespiele verplempert. Ne Zugabe gab’s zur Enttäuschung aller nicht, aber trotzdem bewegten sich zufriedene Massen zurück Richtung Campinggelände, wo am Partyzelt das Southside 2008 mit lautem Getrommel auf allerlei Mülltonnen ein Ende fand.

Am Rande sei noch zu erwähnen, dass die sanitären Einrichtung in diesem Jahr sehr viel besser als 2007 waren und vor allem die Sammeltoiletten auf dem Festivalgelände dauerhaft so sauber waren, dass man sich beinahe schon wie im Hotel vorkam. Reife Leistung!! Allerdings muss auch gesagt werden, dass die Securities teilweise so was von unterschiedlich und schlecht geschult waren in Bezug auf „was darf wo rein und was nicht?“ dass es echt schon frustrierend war, wenn man den Pfandbecher nicht mehr abgeben konnte, da er einem am Eingang von einem übermütigen Hulk abgenommen wurde. Hulk deswegen, weil doch einige über ein extrem hohes Aggressionspotential verfügten und damit in manchen Situationen kleine Missverständnisse, anstatt zu klären, noch provozierend aufbauschten. Einem Besucher am Freitag Mittag zu erklären, dass der kleine Campingtisch nicht mitgenommen werden darf, obwohl die Nachbarn bereits den ganzen Tag auf der eigenen Tischtennisplatte spielen, ist eben schon sehr fragwürdig. Wenn der Presse dann auch noch die Möglichkeit genommen wird, in vorgesehene VIP/Pressebereiche zu kommen, weil von einem dieser Muskelpakete nur lauthals über den Pressepass gelacht wird, mit den Worten “sehr hübsch….kann ich mir aber auch besorgen, Du kommsch hier net rein!“ dann sollte vielleicht doch noch mal von den Veranstaltern überdacht werden, den Dienstleister zu wechseln…ansonsten gab es keinerlei Grund über organisatorische Fehler zu klagen. Das Wetter war grandios, es gab genügend Schattenplätze und das Bier ging auch nicht aus, von daher: Danke Southside Team, wir sehen uns wieder 2009!

Foto: Vickeeee

von Petra Gentner | 28.06.2008 | Kommentare (1) | Kommentar schreiben

Kommentare (1)

hurricane war einfach noch besser (und größer).
# 1 fischi 29.06.2008 12:44
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