Stories
Korn, Flyleaf, Deathstars @ Palladium, Köln - 27.01.2008
Was tun, wenn gleich zu Beginn einer zweimonatigen Tour der Leadgitarrist (noch dazu Fanmagnet und Gründungsmitglied) ausfällt und wegen eines familiären Notfalls zurück in die Heimat düsen muss? Für Sänger Jonathan Davis und Basser Fieldy, die seit mittlerweile 15 Jahren in der Band Korn aus Bakersfield, CA. zusammen zocken, Millionen von Platten verkauft und x-male die Welt bereist haben, gibt es auf diese Frage nur eine Antwort: Durchziehen! So kommen die 4000 Besucher im ausverkauften Palladium in Köln in den Genuss eines Line-Ups, das nach Ende des europäischen Teils der „Bitch! We Have A Problem“-Tour vermutlich nicht so schnell wieder zu sehen sein wird.
Zunächst läuft exquisite Musik aus der Konserve – sowohl vor dem Beginn als auch später in beiden Umbaupausen: Deftones, The Sisters Of Mercy, Faith No More, Duran Duran – alles am Start.
Pünktlich um 20 Uhr legen die Deathstars aus Schweden los, die – obwohl ihr aktuelles Album bei Nuclear Blast erschien – bisher wohl eher Gothics ein Begriff sind. Schwarze Seelen können nämlich hierzulande den stampfenden Industrial-Metal-Sound der Kombo scheinbar am meisten diggen. Frontmann Whiplasher Bernadotte ist in allerbester Plauderlaune, bezeichnet sich selbst als „Victoria Beckham of Death“, unterstreicht nach dem Mini-Hit Blitzkrieg vorbildlich, dass die Deathstars mit Faschismus nichts am Hut haben und gewinnt mit dem finalen Cyanide sicher einige neue Fans für seine Band.
Flyleaf aus Texas dürfen dann im Gegensatz zu den Deathstars statt 30 sogar für 45 Minuten ihre Songs zum Besten geben und untermauern erneut den Ruf ihrer zierlichen aber stimmgewaltigen Frontfrau Lacey Mosley als die Björk des Metal. Soviel christlicher Grooverock mit ständig schwankender Dynamik ist auf Dauer etwas einschläfernd, doch am Ende des Sets überraschen Flyleaf mit einem sehr gekonnten Cover des Nine Inch Nails-Klassikers Something I Can Never Have, das durchaus zu begeistern weiß. Allerdings sollte man sich diese Band lieber in einem intimen Club reinziehen; in einer großen Halle wie dem Palladium verpufft die Energie der fleißig zappelnden Musiker zu Unrecht.
Schon kurz vor 22 Uhr schreien die Fans in angemessener Lautstärke, als der vermutlich teuerste und wertvollste Mikroständer der Welt enthüllt wird: Das eigens von Alien-Designer H. R. Giger für Jonathan Davis hergestellte prachtvolle Unikat halb Frau, halb Metalwesen.
Nach dem vom Tape eingespielten Intro des neuen Albums gibt es direkt kein Halten mehr, während die aktuelle Inkarnation der Legende Korn die Bühne entert und mit Right Now von der Take A Look In The Mirror, Love Song von See You On The Other Side und A.D.I.D.A.S. von Life Is Peachy einen bunten Querschnitt aus vollen Rohren feuert.
Die Band klingt hungrig, der Sound ist mächtig. Die Fans drehen durch. Großen Anteil daran haben natürlich Drummer Ray Luzier (Army Of Anyone, David Lee Roth), der noch mehr durch technisches Können und vor allem tonnenschweren Groove zu überzeugen weiß als Slipknot-Trommler Joey Jordison bei den Korn-Shows im letzten Jahr; sowie die beiden „neuen“ Gitarristen: Shane Gibson, der von der zweiten Gitarre auf dieser Tour zum spontanen Ersatz für Munky befördert wurde, und Rob Patterson (Ex-Otep), der u.a. schon bei der MTV Unplugged Session von Korn in die Saiten greifen durfte. Mit dabei sind - logo - auch die aus den letzten Jahren hinlänglich bekannten Kollegen Zac „Horse“ Baird an den Keyboards und der Albino-Kelly des Metal, Kalen Chase, an Percussion und Vocals.
Korn wissen, was sie ihren Fans schuldig sind: Die Hits Freak On A Leash, Coming Undone (inkl. kleinem Tribute an Queen’s We Will Rock You), Falling Away From Me und Here To Stay werden genau so in allerfeinster Qualität und mit mächtig Feuer im Arsch zum Besten gegeben wie die Klassiker Ass Itch, Faget und Bottled Up Inside sowie Starting Over, Hold On, Kiss und Evolution vom neuen Album. Als der schwitzenden Meute zum Ende noch Blind und Got The Life um die geschundenen Ohren gehauen werden, geht nach einem hundertminütigen Headliner-Konzert inklusive absurd großartiger Laserlightshow niemand unbefriedigt nach Hause.
Und Munky? Der hat natürlich trotz Abwesenheit zwischendurch einen Riesenapplaus vom Publikum bekommen, das sich laut Ansage von Sänger Jon überhaupt keine Sorgen um einen eventuellen Ausstieg zu machen braucht: „He’ll be back. We’re blood brothers.“.
Fotos: Schmidteeee
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von Toby Fuhrmann | 29.01.2008 | Kommentare (1) | Kommentar schreiben
Kommentare (1)
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Ich war auf dem konzert in dänemark(ja richtig gelesen) und des war auch super!
Schade das munky nich da war