Interviews

Devil’s Gift // Lennon Murphy

Devil's GiftLennon Murphy aus Florida ist im Stress: Obwohl erst Mitte 20, hat sie bereits einen dreijährigen Sohn, war erfolgreiches Suicide Girl und ist seit Jahren in den USA als Solokünstlerin unterwegs, wo sie bereits diverse Alben veröffentlichte und unter anderem eine gigantische Tour als Support von Mötley Crüe absolvierte. Von dem anstehenden Rechtsstreit mit Yoko Ono mal ganz abgesehen. Am 26. September erscheint in Deutschland das hart rockende Debüt ihrer neuen Band Devil’s Gift, im Herbst ist die Kombo hierzulande auch live zu erleben. Alex schnackte mit Lennon in Hamburg.

Du bist grade ein paar Tage in Europa. Wie gefällt es dir bisher?

Ja, ich war vor vier Tagen in London, dann Berlin, Frankfurt und Köln und heute Nachmittag gehts weiter nach Stockholm. Ich habe nicht viel Zeit an jedem Ort verbracht und es war bisher sehr anstrengend. Ich habe noch den völligen Jet-Lag und bin ständig müde.

Das kann ich mir vorstellen. Was war bisher die am häufigsten gestellte Frage?

Oh je. Ich werde momentan ständig nach dem Ärger mit Yoko Ono gefragt. Das bestimmt momentan absolut mein Leben und schlaucht mich total.

Ich werde dich danach nicht ausquetschen. Wir sind ja eigentlich hier, um uns über dein neues Projekt Devil’s Gift zu unterhalen.

(bestimmt) Da hast du Recht!

Wie kam es zu dem Projekt?

Das erste Mal, das ich Jason traf, war in einem Studio. Ich machte gerade mit meiner Band Aufnahmen und er wirbelte durch das Studio wie ein kleiner Sturm. Ich bin eher der ruhige Typ und dachte mir bloß: „Oh mein Gott, kann den jemand mal abstellen?“. Er machte mich total irre. Dann habe ich ihn Gitarre spielen sehen… Als er mich dann fragte, ob ich nicht Lust hätte, was mit ihm zu machen, sagte ich sofort zu.

Das heißt, ihr habt euch dann zusammen hingesetzt und die Songs geschrieben - oder wie muss ich mir das vorstellen?

Ja, genau. Das hat sofort harmoniert. Er macht die Musik und ich den Gesang. Er hat auf der CD zudem die ganzen Instrumente eingespielt.

Aber ihr geht doch jetzt bald auf Tour – als Band. Wie darf ich mir das dann vorstellen? Ihr seid doch eine Band?

Ja, ja. Wir gehen als Band auf Tour. Das sind allesamt gute Musiker, die wir uns versammelt haben, um das Live zu spielen. Jason kommt auch gar nicht mit. Weißt du, er sitzt im Rollstuhl und mag das ganze Tour-Ding nicht so. Ich hab ja versucht, ihn zu überreden, aber er wollte halt partout nicht.

Wenn ich mir die CD anhöre, fällt mir auf, dass dem Gesang ein eher düsteres Wesen anhaftet - oder irre ich mich?

Da hast du wohl Recht.

Wie kommt das?

Ich schätze, das liegt an den Worten und deren Bedeutung für mich. Ich schreibe über mein Leben, was mir so passiert ist. Es war nicht immer leicht. Ich nutze das Songschreiben wie andere Tagebuch führen. Für mich ist das ein wenig wie Therapie.

Ist es dann nicht komisch, dein Leben und deine Gefühle Abend für Abend vor anderen Leuten auf der Bühne auszubreiten?

Nein, komischerweise nicht. Ich stehe gerne auf der Bühne und singe. Dort kann ich alles vergessen und einfach Anderen Freude geben.

Bist du viel unterwegs auf Bühnen?

Ja.

Ich habe gelesen, dass du deine kleine Schwester bei dir hast. Wie machst du das denn mit ihr, wenn du unterwegs bist?

„Klein“ ist gut. So klein ist sie mittlerweile gar nicht mehr. „Sweet sixteen“! (lacht) Ich habe aber auch einen kleinen Sohn von drei Jahren. Wenn es sich zeitlich und örtlich einrichten lässt, nehme ich sie so oft es geht beide mit. Und wenn es eben nicht geht, so wie jetzt gerade, dann sind sie bei meinem Freund.

Und wie würdest du reagieren, wenn dein Kleiner ankommt und sagt „Mami, ich möchte auch Rockstar werden!“?

Ja, das ist schon irre. Der ist nur unterwegs in der Wohnung oder draußen und trommelt auf Allem rum, was er in die Finger bekommt. Aber ich hab schon oft gesehen, was das Business mit einem anrichten kann. Ich würde zu ihm sagen, er solle lieber Arzt oder Chirurg werden. Ich fürchte nur, das wird nichts (lacht). Er soll selbst wissen, was er macht. Ich möchte ihm nur ein schönes und tolles Leben bieten können.

von Alexandra von Schiefner | 10.09.2008 | Kommentare (0) | Kommentar schreiben

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