Interviews

The Haunted

The HauntedDiesmal habe ich es nicht verkackt. Eine meiner absoluten Lieblingsbands, die ich noch dazu erst vor wenigen Tagen in Wacken abfeiern durfte, bringen im September ihr neues Album Versus raus. The Haunted. Was mir vorab als Stream zugespielt wurde, ist mal wieder zum Niederknien. Sicher ist: Versus wird mehr als nur einen Arsch kicken. Grund genug, diesmal auch wirklich alle Anrufer aus der Leitung zu schmeißen, um punktgenau mit Jensen den Gründervater der Band zu begrüßen. In diesem Zusammenhang sei als Bildungsbeitrag erwähnt, dass The Haunted zwar immer als die offizielle At The Gates-Nachfolgeband bezeichnet werden – was bei drei Ex-Mitgliedern nahe liegt - aber eben der ehemalige Seance-Klampfer Jensen Stein des Anstoßes war.

Hi Jensen, wie gehts?

Super. Ich hoffe Dir auch.

Geht schon wieder. Hab noch Wacken in den Knochen. Auch dank Euch. Daher erst mal Gratulation zur wirklich gewaltigen Show. Ich war im Strudel vor der Partystage und Ihr wart tatsächlich die totale Party.

Oh, vielen Dank. Ja, es war schlammig und ein ganz spezielles Erlebnis für uns.

Beschreib uns bitte, was es für ein Gefühl ist, auf dem größten Metal-Festival der Welt aufzutreten.

Oh, das ist wirklich etwas ganz großes. Wir haben ja schon einige der größten Events gespielt, nimm nur das Ozzfest 2005, aber Wacken ist quasi eine der Keimzellen der weltweiten Metalszene. Allein berücksichtigt und eingeladen zu werden, ist eine riesige Ehre.

Für viele Fans war es ein historisches Erlebnis, The Haunted und die nur für wenige Gigs wiedervereinigten At The Gates auf einem Festival zu sehen. Dadurch wart Ihr ja auch länger vor Ort.

Exakt zwei Tage. Übernachtet haben wir aber in Elmshorn. Hat Wacken überhaupt ein Hotel?

Ähm … ja klar. Aber nur winzig. (außerdem haben wir dort gefühlt 3 Stunden auf ein Bier und einen Korn warten müssen; Anm.d.Red.) Doch nun zum Album. Eure neue Scheibe heißt Versus und erscheint im September. Erzähl uns etwas darüber und die Songs, die uns erwarten.

Puh … das ist aber eine umfangreiche Frage. Also am wichtigsten ist, dass es unsere zweite Scheibe ist, die wir komplett live eingespielt haben. Das war uns wichtig, und das hört man. Wir haben 27 Songs in exakt sieben Tagen als Band aufgenommen. Mit allen Ecken und Kanten. Alles live.

Worin siehst Du die wesentliche Entwicklung der Band, sagen wir von rEVOLVEr über The Dead Eye jetzt hin zu Versus.

Ganz klar. Versus bin wieder 100% ich. Ich bin wirklich dabei. Ich hatte eine schwere Phase. Mein Vater war krank und so weiter. The Dead Eye war für meinen Geschmack zu düster. Ich liebe kompakte, stampfende Bands. Die Energie von AC/DC…

oder Airbourne…

Ich liebe Airbourne! Genau das meine ich. Eine fette, stampfende Party.

Ihr habt in den PUK Studios mit Tue Madsen aufgenommen. Ein Mann für die wirklich dicken Produktionen. Beschreib mal aus Deiner Sicht, was Tue zu einem Großen macht.

Ja, Tue ist ganz groß. Ein hoch konzentrierter, aber völlig relaxter Typ. Der weiß, was er will und vor allem, was die Band will. Mit Tue zu arbeiten, ist einfach eine große Freude. Die ersten dicken Sachen, die er gemacht hat, waren mit Mnemic, und … hör Dir das an! Wahnsinn.

Jensen, wann hast Du persönlich den Entschluss gefasst, Musiker zu werden?

Meine erste E-Gitarre habe ich mit 7 bekommen. Von da an habe ich Musik gemacht. Musiker bin ich aber erst mit 25 geworden. Als ich den Entschluss gefasst hatte, nur noch Musik zu machen. Ich habe im Flugzeugbau gearbeitet und alles hingeschmissen, war arbeitslos und so weiter.

In der nächsten Woche spielt Ihr in Israel…

Ja. Großartig.

Euer erstes Mal?

Absolut.

Aufgeregt?

Total. Ehrlich. Auf Tour bin ich vor allem auch Tourist. Ich liebe es, mir Städte anzuschauen. Kathedralen, Museen. Und allein die Vorstellung von Israel mit seiner vieltausendjährigen Kultur!

Was erwartet Ihr von der Show dort? Glaubst Du, es wird anders sein, als auf einem europäischen Gig?

Woher soll ich das wissen? Schauen wir mal. Ein Freund von mir spielt bei Opeth und die haben bereits in Israel gespielt. Er meinte, dass Publikum dort würde völlig ausflippen und sei voll dabei. Ich freue mich jedenfalls drauf.

Viele kleine Bands träumen davon, einmal quasi ununterbrochen auf Tour zu sein, so wie Ihr. Aber gibt es auch eine Schattenseite? Was ist das Schlimmste am ständig auf Tour sein?

Das Warten. Ganz klar das Warten. Ich werde bezahlt, um zu warten. 23 Stunden am Tag. Die eine Stunde Gig würde ich auch für umsonst abreißen. Viele kommen damit nicht klar. Trinken die Zeit tot, werfen Drogen ein. Warten ist definitiv das Schlimmste.

Hast Du ein paar Tipps für Kids, die eine Metalband gründen und so wie Ihr leben wollen?

Offensichtlich ist mein Englisch noch beschissener, als befürchtet. Denn:

Ob ich eine Freundin habe, die in einer Metalband spielt?

Ich wiederhole die Frage. Diesmal ohne Zonenslang. Klappt!

Ah, sorry! Klar. Gewöhnt Euch daran, zu warten. Seid diszipliniert und entschlossen. Und seid wachsam! Du kennst die Show Big Brother?

Klar.

Nun, eine Band ist noch viel kleiner als dieser beschissene Container. Und alle schauen drauf. Du stehst ständig unter Beobachtung. Aber unser Leben hat auch und vor allem seine wirklich einzigartigen Facetten. Du siehst die Welt. Lernst Länder kennen, in die Du sonst nie reisen würdest. Menschen schreien nach Dir. Wildfremde Menschen lieben Dich. Stell Dir vor, Jensen ist ja eigentlich mein Nachname. Nur alle rufen mich halt Jensen. Es gibt aber tatsächlich Eltern – Fans - die nennen Ihre Kinder Jensen. Weil Sie die Band lieben, unsere Musik. Das ist ein echtes Geschenk.

Ich denke, da kann man nichts mehr draufsetzen, Jensen. Vielen Dank und vielleicht noch einen kleinen Tipp zum Abschluss. Irgendeine eine schwedische Undergroundband, auf die Du derzeit stehst und die unsere Leser unbedingt mal anchecken sollten?

Oh sorry, Mann! Da bin ich definitiv der Falsche für. Ich bin so gut wie nie in Schweden, immer auf Achse….

Trotzdem vielen, vielen Dank Jensen. Alles Gute, Glück und Erfolg für Dich, die Band und Versus.

Ich danke Dir und Euch allen nur das Beste.

The Haunted @ Myspace: www.myspace.com/thehaunted

von Andreas Puchebuhr | 06.08.2008 | Kommentare (0) | Kommentar schreiben

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