Interviews

Keith Caputo

Keith CaputoWer Life Of Agony kennt, kennt natürlich auch den kleinen, charismatischen Frontmann Keith Caputo. Dass dieser seit 7 Jahren auch Solo-Alben auf den Markt schmeißt, ist vielleicht weniger Leuten bekannt… Vor allem, weil diese musikalisch mit Life Of Agony so viel gemeinsam haben, wie ein Pinguin mit der Sahara. Da sie allerdings künstlerisch mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser sind, hat sich unser Freund Keith freundlicherweise eine halbe Stunde ans Telefon gesetzt, um ein wenig über A Fondness For Hometown Scars und einige andere interessante Dinge zu plaudern - zum Beispiel wie er und David Bowie sich an die Schwänze grabschen…

Hi Keith, wie geht’s Dir heute? Nen stressigen Tag gehabt?

Oh ja…eine Menge Presse-Termine! Seit heute morgen sitze ich hier und beantworte Fragen. Mir knurrt ein wenig der Magen, weil ich nur ein kleines Sandwich hatte, aber es geht mir gut! Frag einfach alles, was Du wissen willst.

Ok, dann kommen wir gleich mal zu Deinem neuen Album A Fondness For Hometown Scars. Du sagst, dass Du sehr glücklich bist mit dem Ergebnis und dass Du schon tierisch aufgeregt bist wegen der Veröffentlichung (4. April). Sag uns doch bitte warum und was der Unterschied zu den vorangegangenen Alben ist.

Eigentlich bin ich bei jedem Album aufgeregt, weil es immer ein spannender Prozess ist ein Album aufzunehmen. Aber mit jedem neuen Album fühlt es sich immer mehr nach „Heimkehren“ an. Also, wie wenn ich dem Ziel näher komme, wirklich alles so umzusetzen, wie ich es fühle und wie es letztendlich auch klingen soll. Außerdem haben wir wirklich hart an diesem Album gearbeitet. Aber trotzdem war es wundervoll, weil so großartige Menschen daran mitgewirkt haben, wie zum Beispiel Flea (Red Hot Chili Peppers) der Trompete gespielt hat oder Gerry Leonard, der schon mit David Bowie oder Rufus Wainwright zusammengearbeitet hat. Dann noch Craig Ross, Martyn Lenoble und George Marino, der sogar schon Jimi Hendrix gemastered hat. Einfach eine Menge talentierter Leute, die den ganzen Aufnahmeprozess furchtbar spannend gestaltet haben und die sehr inspirierend sind. Das Ergebnis und die Songs sind einfach faszinierend! Vielleicht bin ich aber auch deswegen so glücklich damit, weil es sehr viel einfacher war, dieses Album aufzunehmen, als die davor. Es fühlt sich an, wie wenn wir heute auf eine größere Akzeptanz stoßen. Früher mussten wir mehr kämpfen, auch gegen negative Einflüsse von außen.

Gibt es einen speziellen Track, bei dem Du Dich am meisten darauf freust ihn live zu spielen?

Nein, eigentlich nicht. Ich freue mich wahnsinnig darauf mit den Sad Eyed Ladies zu spielen! Da ist es nicht so wichtig, welcher Track, da macht jeder Spaß. Wir möchten auf dieser Tour wirklich jeden Abend unser Bestes geben und ein wenig herum experimentieren. Das Ganze soll ein wenig klingen wie eine opulente Rockoper oder ein Musical, so in dem Stil. Jedenfalls sehr intensiv!

Würdest Du sagen, dass Dein neues Album den Hörer direkt beim ersten Durchlauf mitreißt oder ist es mehr wie ein ungeschliffener Diamant?

Es ist definitv kein „Erstes-Anhören-Wahnsinn!!-Album“. Es ist mehr wie ein Schatz tief im Zentrum der Erde. Man sollte es sich aufmerksam anhören, bei jedem Durchlauf und intensiv auf sich wirken lassen. Dann kommt man mit jedem Mal dem Kern ein Stückchen näher.

Hast Du immer noch Lieblingssongs von Deinen alten Alben, die Du selbst ununterbrochen anhören könntest?

Ununterbrochen?? Puh…die alten Songs…doch ja, „Fix Pop Bang Shot“ zum Beispiel oder auch „Razzberry Mockery“ und vielleicht 2-3 Songs vom Live Monsters-Album.

Viele Fans fordern bei Konzerten ja „Home“ von Deinem Album „Died Laughing“. Warum spielst Du das nie?

Hmm, vielleicht spiele ich es ja einmal, wer weiß? Wünsch Du es Dir doch!

…das habe ich Dir bereits vor 2 Jahren gesagt und Du hast es bis heute immer noch nicht gespielt!

Oh, sorry…aber nie die Hoffnung aufgeben! (lacht) Ach weißt Du, das ist aber auch echt schwierig Songs für einen Gig auszuwählen, wenn es so viele gibt, die man gerne spielen möchte. Natürlich möchte man vor allem unbedingt die neuen Songs spielen und sehen, wie das Publikum die annimmt. Aber vielleicht tue ich Dir ja auf dieser Tour den Gefallen mit „Home“…(lacht schon wieder und es hört sich eher so an, wie wenn er schon wüsste, dass er es wieder nicht tun wird…)

Bei Konzerten gehst Du ja oft in die Menge und umarmst einige Menschen und singst mit ihnen. Warum ist Dir das so wichtig?

Das ist eigentlich genau das, worum es bei einem Konzert geht! Ich möchte die Leute mit meinen Songs berühren und wenn ich dann in die Menge gehe, bekomme ich so viel Energie von ihr zurück, dass ich mich noch besser fühle und wirklich 100% geben kann. Außerdem nimmt es mir das Gefühl des Alleinseins…

Wenn ein Konzert mal nicht so gut läuft, nimmst Du Dir das ja immer sehr zu Herzen. Manchmal wirst Du sogar richtig wütend, wie z.B. bei Deinem Gig in Stuttgart letztes Jahr…Woran kann es liegen, wenn Du Dich so sehr aufregst?

Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Manchmal liegt es am Publikum, manchmal am Sound. Manchmal ist es sogar eine Kombination aus beidem. Teilweise liegt es aber auch an Missverständnissen unter den Bandmitgliedern während eines Songs. Doof wird es, wenn diese Faktoren eigentlich alle super sind, ich aber einfach eine miese Grundstimmung habe. Dann wird es schwierig die Kurve zu kriegen und trotzdem einen guten Abend abzuliefern. Denn ich will nicht, dass die Leute denken, dass ich ihnen nur was vortäusche. Sie sollen ehrliche Songs, mit ehrlichen Gefühlen bekommen. Dafür sind sie ja schließlich gekommen. Aber gerade in Stuttgart war dieser nervige Typ, der ständig mit irgendwelchen Zetteln vor meiner Nase rumgewedelt hat. Jedesmal stand ein anderer Liedwunsch drauf und ich dachte mir „was willst Du denn? Wenn’s Dir nicht gefällt, dann geh doch einfach!“ Aber er hat sich immer wieder durch die Menge nach vorne gedrückt und hat somit auch die anderen Leute genervt. Da ist echt eine extrem negative Stimmung vor der Bühne entstanden. Am liebsten hätte ich ihn persönlich rausgeschmissen…

Du sagtest ja auch schon mal in einem Interview, das 50% des Tourens einfach nur nerven. Trotzdem hast Du sehr viele Konzerte gespielt in den letzten Jahren…

Oh, lange nicht so viele, wie ich gerne gespielt hätte!! Es stimmt schon, ich nehme lieber ein Album in L.A. auf, als auf Tour zu gehen in…keine Ahnung…dem scheißkalten Schweden zum Beispiel! Ich hoffe Ihr habt keine schwedischen Leser (lacht)….sorry, aber da isses echt bitterkalt! Es gibt so vieles, was einen am Touren nerven kann. Du bekommst nicht immer das Essen, das Du gerne hättest, einer im Bus wird krank, steckt die anderen an und Du weißt genau, dass es Dich auch irgendwann erwischen wird, Du kannst keine normale Beziehung zu einem Mädchen führen, deswegen lässt Du’s bleiben….nichts desto trotz überwiegen natürlich die positiven Aspekte! Schon allein zu sehen, wie sehr manche Deine Musik lieben und Dir Unmengen an Energie zurückgeben, das ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl!

Viele kennen Dich ja als Frontmann von Life Of Agony. Deine Solowerke klingen ja aber komplett anders und doch gibt es immer wieder Leute, die auf Konzerten nach Songs wie z.B. „River Runs Red“ verlangen. Wie reagierst Du auf solche Zwischenrufe?

Das kommt ganz darauf an, wie meine Stimmung an dem Abend ist. Manchmal nehme ich es mit Humor und lache über den Typ und manchmal denke ich mir „Junge, kannst Du nicht lesen? Das ist kein Life of Agony-Konzert!!!“

…und trotzdem spielst Du als Zugabe immer „Let’s Pretend“…

(Stille) ….öh….

Ja auf, sag was dazu! Wie willste denn das nu erklären?

Öh….tja, was soll ich dazu sagen? ….shit….Man jetzt hast Du mich aber echt aufs Glatteis geführt! Ehm…ich überrasche eben gern!! (lacht)

Überraschen??? Du spielst das JEDESMAL!!!

Jaja, aber immer in ner anderen Version!!! (lacht triumphierend) Ach was weiß ich….vielleicht sollte ich mal ne völlig schwule Blues-Version von River Runs Red singen! Ungefähr so: (Keith fängt an extremst schwülstig „River Runs Reeeeeed“ zu trällern)

Ach Du Scheiße, hör bitte auf, das klingt ja grauenvoll!!!

Haha, siehst Du? Dann würd sich’s bestimmt niemand mehr wünschen! Wow, das is eigentlich ne gute Idee…hehe

Im letzten Jahr hattest Du ja Ricky Warwick auf Deiner Tour dabei. Dieses Jahr wieder…

Ja, das ist aber auch ein wirklich großartiger Kerl! Der macht das Touren mal so richtig angenehm! Außerdem ist er ein wundervoller Künstler mit ganz grandiosen Songs und das macht natürlich mehr Spaß, als mit irgendeiner beschissenen lokalen Band zu spielen, deren Musik ich grauenhaft finde. Außerdem gibt es ihm die Möglichkeit seine wundervollen Songs einer größeren Masse näher zu bringen

Apropos großartige Künstler: Du liebst Bands wie Radiohead und Sigur Rós. Wenn Du Dich zwischen beiden entscheiden müsstest, wer würde dann wohl gewinnen und warum?

Hm, das ist jetzt wirklich schwierig….aber wahrscheinlich doch Sigur Rós. Die höre ich nun schon seit Jahren und für deren Musik interessiere ich mich noch ein Stückchen mehr, als für Radiohead. Auch wenn ich die natürlich ebenfalls sehr genial finde! Aber bei Sigur Rós kann man so richtig schön im Sound versinken. Ich liebe die Art, wie sie die Melodien bewegen, verändern und wachsen lassen. Hast Du das neue Album „Heima“?

Jepp, aber erst seit ner Woche und noch leider noch keine Möglichkeit gehabt reinzuhören…

Och Mädchen!!! Das musst Du aber schleunigst nachholen! Das fühlt sich an, wie wenn Du ewig auf offener See treibst und plötzlich Land siehst! Sie regen zum Nachdenken an und manchmal klingen sie traurig, jedoch ohne einen depressiv zu machen. Doch Sigur Rós würden definitiv gewinnen, denn die sind auch so romantisch und femininer als Radiohead. Ich mag so was, vor allem wenn Männer feminin wirken können, so wie der Sänger von Sigur Rós eben.

Und mit welchem Künstler würdest Du gerne mal einen Song performen?

Hm…da würde ich wiederum Thom Yorke wählen…oder David Bowie…oder Brian Eno! Ja, ich wähle Brian Eno!!!

Stichwort Bowie: hast Du immer noch Sexträume mit David Bowie?

Nein, seit dem letzten leider nicht mehr. Das passiert dann auch meistens in einer Bowie-Phase. Also zu einer Zeit, in der ich mich wieder mehr mit Bowie und seinen Texten beschäftige und viel Musik von ihm höre. Aber dann passiert es eigentlich immer! Das ist dann echt witzig. Wir singen zusammen und machen verschiedene Sachen….Du weißt schon….wir albern eben rum….

Rumalbern???

Na sexuell eben….

Soll ich das tatsächlich schreiben???

Ja klar doch! Du kannst alles schreiben, was ich Dir erzähle! Oh ja, dann machst Du am besten ein grinsendes Photo von mir daneben und schreibst Zitat Keith Caputo: „Sie grabschen sich an die Schwänze!“ Aber hey, das eines klar ist: wir sprechen hier von Ziggy!! Nicht von dem 50 Jahre alten Bowie…sonst denken die Leute noch ich wäre verrückt!

Na das macht’s jetzt auch nicht mehr besser….

Na sag mal, Du bist doch auch Bowie-Fan! Ach Du bist doch wahrscheinlich nur neidisch, weil Du nicht von ihm träumst, hm?

Wahrscheinlich hast Du Recht… ich hatte letztlich nämlich nur das Vergnügen mit Lenny Kravitz…das war echt abartig…

Waaaaas??? Lenny?? Das is doch auch’n cooler Typ! Magst Du etwa keine schwarzen Ärsche??

Nicht, wenn sie in knallbunten, hautengen Leggins stecken….

Igitt, ok das is allerdings echt eklig! (lacht) Womit aber auch geklärt wäre, wer von uns beiden die perverseren Träume hat!

Ja danke…zurück zu Dir: Du liebst Schmetterlinge über alles! Dein linker Arm ist übersät mit Schmetterlings-Tattoos. Was findest Du so faszinierend an ihnen?

Weißt Du, die haben so was Friedliches. Jeder Schmetterling steht für einen lieben Menschen, den ich verloren habe. Außerdem sind sie einfach wunderschön!

Und wie sieht’s mit Fröschen aus?

Jaaa, Frösche mag ich auch! Aber die sind eben nicht so wie Schmetterlinge! Schmetterlinge haben auch wieder dieses feminine! Du siehst: ich hab nen Hang zu femininen Dingen…

(Jochem ruft aus dem Hintergrund, dass wir zum Ende kommen müssen)

Ok Hübsche, ich muss leider zum nächsten Interview! Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast! Sehn wir uns wieder auf der Tour?

Aber sicher doch!

Schön! Und alle Leser sind natürlich auch herzlich dazu eingeladen!!

von Petra Gentner | 13.03.2008 | Kommentare (4) | Kommentar schreiben

Kommentare (4)

Geiles Interview (-:
Hasch du doll gemacht *auf die Schulter klopf*
# 1 Mäggi 13.03.2008 23:08
ja da stimme ich zu. tolles Interview
# 2 Steffi 15.03.2008 15:07
Tolles interview.
Ich gehe nach Köln !!!!!!!
# 3 laura 09.04.2008 20:39
...war dieser zettel-typ nich auch der a.... der gemeint hat er müsse nen barhocker für seine tussi (optisch) in die 3.reihe stellen, ständig auf sich aufmerksam machen und dazu noch die ganze zeit falsch mitsingen *kotz*...also ich glaub ich hätte keith beim rausschmeissen unterstützt...

weiter so petra!
# 4 Sebbo 11.04.2008 02:36
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