Interviews
Fieldy // Korn
Korn sind unangefochten eine der einflussreichsten Metalbands der 90er. Am 27. Juli erscheint ihr neues – mittlerweile achtes – Studioalbum, das genau wie ihr Debüt keinen Titel haben wird, sondern einfach nur den Bandnamen trägt. Vor dem Open-Air-Konzert in der Zitadelle Spandau in Berlin hatte Tobeeee knapp 12 Minuten Zeit, mit Bassist und Gründungsmitglied Fieldy etwas zu schnacken. Dig.
Ihr habt gestern eine Show mit Ozzy Osbourne in Prag gespielt. Wie war’s?
Weißt du, wenn wir Shows wie mit Ozzy spielen und wir sind in so einer großen Arena – und das machen wir nicht sehr häufig – ist das Ehrfurcht gebietend. Du siehst das Sparrenwerk, all die Fans da oben, überall. Und das Catering ist toll (lacht). Das Essen war gut. Und es ist immer cool, Ozzy zu hören, all diese coolen Songs. Und sie [ Ozzy’s Band ] sind alle cool. Es war ’ne gute Zeit, es hat gerockt!
Hat sich irgendwas geändert im Gegensatz zu der Zeit, als ihr mit Ozzy vor 10, 11 Jahren getourt seid?
Nope. Er macht immer noch das gleiche Ding, spielt immer noch diese riesigen Venues. Ich hoffe, wir können eines Tages wie Ozzy sein.
Lass uns über das neue Album sprechen! Das erscheint ja schon nächsten Monat. Ich konnte mir schon ein paar Audiostreams im Internet anhören. Was würdest du sagen ist der Fortschritt vom letzten Album [ See You On The Other Side ]? Ich fand es schlägt etwas in die gleiche Kerbe, da ihr mit den gleichen Produzenten gearbeitet habt. Was ist deiner Meinung nach der größte Unterschied?
Ich glaub es wird anders denn wir haben einen Keyboarder namens Horse, der schon live mit uns auf Tour war. Wir haben ihn gebeten, dieses komplette Korn-Album mit uns zu schreiben. Wir haben also Keyboards drin und es ist gothic-mäßig – da gibt es diese graziösen Momente, die ein neues Element zu Korn beisteuern. Wir haben Terry Bozzio dazugeholt, der als einer der besten Drummer der Welt gilt. Und so wie der trommelt – das hat uns dazu gebracht, Musik auf andere Weise zu kreieren. Denn wir mussten um diesen anderen Drummer herumschreiben. Wir haben auch Brooks Wackerman (Bad Religion, Suicidal Tendencies) an den Drums dazugeholt. Und der spielt nochmal anders. Also mit diesen Trommlern zusammenzuarbeiten, hat uns eine neue Herangehensweise gegeben. Es gibt also andere Sounds – musikalisch wird das… (überlegt) anders.
Es war also gut, wieder mit Atticus Ross und The Matrix zu arbeiten. Gibt es einen besonderen Grund dafür, dass das neue Album wieder self-titled ist - so wie euer Debüt 1994? Ist es eine Art Neuanfang für Korn oder so was?
Ähm… (überlegt – erst abwesend, dann leicht verwirrt) Was?
Wird das Album doch nicht „Korn“ heißen? Ich dachte es heißt einfach „Korn“…
Es wird gar keinen Titel haben. Wir überlassen es einfach den Fans - um zu sehen, wie sie es schließlich nennen. Whatever, ich will’s nicht sagen – ich will es einfach den Fans überlassen. Wenn ich’s sage, weißt du… Es ist ihre Sache.
Ich dachte, damit bricht vielleicht eine neue Ära für Korn an – wo es doch das zweite namenlose Album ist.
Ich weiß nicht. Mal sehen was passiert (lacht).
Alright, so wie bei The Bronx! Weißt du, die nennen jedes ihrer Alben einfach nur The Bronx, weil sie Albumtitel nicht mögen.
Ja, das is cool.
Wie läuft’s mit eurem Label Elementree Records? Ich hab gesehen, dass die aktuelle Deadsy-Platte jetzt auch in Deutschland veröffentlicht wird…
Wir sind immer auf der Suche nach neuer Musik. Immer wenn uns Fans Demos schicken und so – das hören wir uns alles an. Sobald wir über was stolpern, das wir mögen, werden wir das raushauen. Also schickt sie weiter rein!
Zur Family Values Tour! Das ist ja das erste Mal, dass ihr sie nach Deutschland bringt…
Stimmt.
War es so geplant, zwei deutsche Bands [ Maroon und Maintain ] als Opener zu haben statt die amerikanischen Bands mitzubringen, die in den USA auf der Family Values Tour spielen?
Wir haben beschlossen, dass es cool ist, wenn die für uns eröffnen. Denn wir werden im Januar, Februar wiederkommen mit der angemessenen, großen Family Values Tour. Mit dem ganzen Real Deal wie wir das in den USA machen. Wir werden das Real Thing im Januar, Februar hier rüberbringen.
Also ist das hier der Teaser, und dann…
Genau, ein kleiner Teaser.
Gibt es davon abgesehen weitere Zukunftspläne für die Family Values Tour? Werdet ihr das die nächsten fünf Jahre oder so weitermachen?
Wir werden weitermachen, bis … die Fans nicht mehr kommen wollen (lacht).
Also für immer. (lacht)
Das hoffe ich doch, schätze wir wissen es nicht. (lacht)
Wie steht’s mit deiner Klamottenmarke Immanuel One Twenty Three? Ich hab davon im Netz gelesen, konnte aber nicht so viel darüber finden…
Ja, das ist meine Klamottenmarke. Ich arbeite dran und es ist viel schwieriger als ich dachte so ne Klamottenmarke anzukurbeln. Es ist ein langwieriger Prozess. Ich hab nur ein paar Designs, die mein Tättowierer gemacht hat. Aber ich bin noch nicht mal zur Website oder sonst was gekommen, so wenig ist das. Oh Mann, das kostet ne Menge Geld. Ich wusste nicht, dass es so viel sein würde, also… im Moment kämpfe ich mich nur durch den juristischen Papierkram.
Wir können also eher damit rechnen, dass es nächstes Jahr rauskommt…
Ja, wahrscheinlich nächstes Jahr, ja.
Du hast aber bereits einen Signature Sneaker über Tribal rausgebracht…
Holler!
(Fieldy präsentiert die Schuhe die er gerade trägt – natürlich „seine“ Tribal Sneaker in schwarz)
Da isser ja! Wie kam es dazu? Kennst du den Boss von Tribal oder wie?
Ich hab nen eigenen Schuh, einen Fieldy Signature Sneaker. Man kann ihn sich auf tribalgear.com anschauen und bestellen. Er hat einen Bass-Schlüssel vorne, meinen Namen an der Seite, meine Signatur im Inneren. Ich hab den Besitzer von Tribal zu Zeiten der ersten Korn-Platte kennengelernt. Wir spielten in diesem kleinen, winzigen Club. Man sagte mir: „Hey, hier gibt’s ne kleine Klamottenfirma um die Ecke, die nennen sich Tribal“ und ich so: „Ich lauf rüber und check das aus.“. Und der Besitzer war direkt vor Ort, weil die damals noch so klein waren. Ich erzählte ihm, dass wir ne Show spielen und er gab mir ein paar Shirts, kam abends vorbei und seitdem halten wir Kontakt. Ich bin gut mit ihm befreundet – seit fast fünfzehn Jahren mittlerweile. So kam das alles.
Es wird also noch mehr Signature-Stuff geben?
Vielleicht, wir sprechen drüber. Tribal ist mittlerweile riesig.
Ja, die sind global.
Total, also… ich weiß noch, als sie winzig waren. Das ist also cool.
Hast du den Ausschnitt aus Brian’s [ „Head“ Welch, ehemaliger Korn-Gitarrist der im Februar 2005 die Band verließ um sich seinem neu entdeckten christlichen Glauben zu widmen] Buch im Revolver Magazine gelesen? Denn das Buch erscheint ja nächste Woche. Ich will wissen, was du darüber denkst und ob Korn-Fans es kaufen sollten – oder aus irgendeinem Grund nicht lesen sollten.
Ich weiß nicht. Hast du’s gelesen? Ich weiß nicht.
Ich hab den Auszug gelesen…
Ich hab keine Ahnung, ich hab’s nicht gelesen.
In der September-Ausgabe vom Revolver…
Ich glaub, was auch immer er zu sagen hatte – an dem Punkt befindet er sich grad in seinem Leben. Er schaut vielleicht darauf zurück und denkt „Ich hab’s nicht wirklich so gemeint, wie ich’s gesagt hab.“ Oder er meint es doch. Ich kann nicht wirklich über ihn richten im Bezug auf das, was er glaubt. Wenn das sein Glaube ist, dann… Ich weiß nicht, ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich liebe diesen Dude. Er ist ein Freund seit der Junior High, ich kenne ihn seit 20 Jahren. Und was auch immer er tut: Wenn es ihn glücklich macht, dann macht das mich glücklich. Das ist alles, was ich sagen kann.
Also stehst du noch immer so zu ihm wie im „Who then now?“-Video?
Ja, er ist ein Freund! Wenn ich meinen Freund jetzt glücklich sehe, ist es mir egal was er zu sagen hat. Wenn ihn das glücklich macht – das ist cool, wenn man seinen Freund glücklich sehen darf. Und nicht da draußen, sich selbst umbringen wollend, mit Selbstmordgedanken. Alles was wichtig ist, ist dass dein bester Freund glücklich ist. Das ist so cool.
Wie sieht’s aus mit deiner nächsten Soloplatte - „Fieldy’s Nightmare“ wird sie heißen?
Ich arbeite an meiner Soloplatte, ich hab so acht Songs zusammen. Es braucht etwas Zeit, denn sie ist überhaupt nicht wie „Fieldy’s Dreams“ [ seine erste Soloplatte von 2001 ], es ist tiefe Livemucke mit jeder Menge Gesang, nicht so alberner partymäßiger Hip-Hop wie auf „Fieldy’s Dreams“, es ist total anders. Ich glaub mehr was für Leute, die auf echt heavy Mucke stehen – die werden das neue Projekt, an dem ich arbeite, lieben.
(Die Promo-Frau von Virgin kommt rein - „One last question“?)
Ich würd ja noch gerne zwei kleine stellen – ich drop doch so gerne Namen, wo man einen auswählen muss.
(zur Promo-Frau): We’ll give him two.
Kiss oder Motörhead?
Kiss. Ohne jeden Zweifel. Als ich ein Kid war, war Kiss eine der ersten Bands und Alben – 8-Track um genau zu sein – die ich mir holte. Ich liebe Kiss, man. Ich hab alles, was sie je veröffentlicht haben.
Public Enemy oder N.W.A.?
Zweifelsohne Public Enemy. Als ich jünger war hatte ich sogar mal ne Phase in der ich ne große Uhr um meinen Hals trug (lacht). Genau wie Flavour Flav. Und ich hatte Public Enemy-Sticker auf meinen Autos. Ich hab so ne ganze Phase durchgemacht, ich hab Public Enemy geliebt.
von Toby Fuhrmann | 29.06.2007
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