Interviews

David Judson Clemmons

David Judson ClemmonsDavid Judson Clemmons steht für wundervolle Gitarrenmusik, tiefgründige Texte, welche er oft Menschen widmet, die er liebt und vor allem Überraschung! Überraschung in dem Sinne, dass man nie vorher weiß, wie sein nächstes Album klingen wird. Wer „Life in the Kingdom of Agreement“ sein Eigen nennt, wird überrascht, aber nicht weniger begeistert von seinem neuen Werk „Yes Sir“ sein. Und überrascht bin auch ich, als David mich für das Interview direkt zu sich nach Hause einlädt, wo der sonst so ruhig wirkende Kerl für Vainstream so richtig in Plauderlaune gerät….

Wir steigen direkt mit dem neuen Album ein: Warum sollten sich die Leute Deine Platte „Yes Sir“ anhören?

Weil es für uns alle geschrieben wurde….jedes Wort. Mein Brief an die Menschheit, mit netter Hintergrundmusik.

Du hast sehr viele verschiedene Stilrichtungen mit diesem Album bedient. Warum hast Du entschieden, dass z.B. Silicone City so werden sollte, wie es nun der Fall ist? Klingt ja schwer nach Square Dance…

Keine Ahnung….Ich hab Gitarre gespielt, mal dazu gesungen, dann einfach noch mehr Gitarre. Dann hab ich ein bisschen auf dem Schlagzeug rumgehauen und mein Freund David Doyle spielte ein bisschen Bass dazu. Dann kam wieder Anne de Wolff dazu und spielte ein bisschen Violine und schon waren wir bei den Aufnahmen. Wir haben das Ganze hochgeladen, in Redondo Beach/Californien wieder heruntergeladen, es in eine Session einfließen lassen und zusammengemischt. Plötzlich war es eben einfach fertig und klang so, wie es jetzt klingt. Es war eigentlich ein sehr einfacher Song. Ich wollte einen Song, den die Amerikaner anhören, mitsingen, darüber lachen und bei welchem Sie erst einige Stunden später merken, dass in dem Song ja ne Message steckte….und zwar eine, die an sie gerichtet war.

Wann hast Du die anderen Bandmitglieder Jan und James kennen gelernt und wie seid Ihr aufeinander getroffen?

James traf ich, als ich 1996 auf Tour mit meiner damaligen Band JUD war. Er kümmerte sich damals um die Show im VEB in Siegen. Wir kamen ins Gespräch und später habe ich ihn einfach nach Los Angeles eingeladen. Ich mochte einfach alles an ihm, seine ganze Art, obwohl ich ihn noch nie zuvor spielen gehört hatte. Es passte einfach alles perfekt! Bei uns würde man sagen, er ist einfach „the dude“ (grinst) Jan habe ich in Kassel getroffen auf der allerletzten JUD Tour….naja zumindest bis JUD doch wieder aufgetreten sind…und da war er unser Support. Ich traf ihn wieder, als er mit seiner Freundin nach Berlin gezogen ist. Er kam zu einem Solo Auftritt von mir und kaufte 5 (!) CDs und eben alles, was er noch nicht hatte. Wir hingen ein bisschen zusammen ab und irgendwann kam das Gespräch darauf, dass man ja miteinander spielen könne. Nunja und so hat nach einiger Zeit und einigen Veränderungen in der Band Jan angefangen bei uns Bass zu spielen. Man muss dazu sagen, dass er ja eigentlich bis zu dem Zeitpunkt nur Gitarrist und Sänger war. Aber nun ist er unser rockender Bassist und wenn Anne de Wolf zu uns stößt und von der Violine zum Bass wechselt, nutzen wir die Chance und spielen eben zu zweit Gitarre.

Mit welcher Band oder welchem Künstler würdest Du gerne mal ein Konzert spielen?

U2

Und was war Dein bisher großartigster Auftritt?

Mein Solo Gig in London letztes Jahr im Troubadour. Keiner kannte mich, ich war nervös, ja sogar ängstlich! Ich spielte nur 6 Lieder, aber ich fühlte mich einfach wahnsinnig gut an diesem Tag und so kam es, dass ich direkt nach der ersten Note, die ich spielte und vom ersten Wort das ich sang das Gefühl bekam, dass einen Gig in Großbritannien zu spielen ein großer Traum von mir war, der just in diesem Moment wahr wurde.

Seit wann lebst Du denn jetzt in Berlin und warum hast Du Dich dazu entschieden, von L.A. hierher zu kommen?

Ich bin 2000 hierher gezogen, weil ich einfach einen Wandel in meinem Leben nötig hatte. Dann war ich wieder ein Jahr in L.A. Aber irgendwie habe ich da gemerkt, dass ich Berlin bereits ins Herz geschlossen hatte. Also kam ich zurück. Ich habe inzwischen viele Freunde hier, deswegen habe ich entschieden vorerst hier zu bleiben. Ich springe aber immer noch regelmäßig hin und her. So ca. alle 4 Monate gehe ich nach L.A. für etwa 1-4 Monate. Meine kleine Tochter lebt ja in Amerika und die würde ich natürlich wahnsinnig vermissen, wenn ich immer nur hier wäre.

Und was ist der Unterschied zwischen den deutschen und den amerikanischen Fans?

Geduld! Die Deutschen sind sehr viel geduldiger! Ok, die Amerikaner verstehen vielleicht die Ironie eines Songtextes besser aufgrund der Sprache, aber sie hören sich die Lieder trotzdem nicht so genau an, wie die Deutschen. Außerdem vergessen einen die deutschen Fans nicht so schnell, wie die amerikanischen.

Was denkst Du über TV Shows, wie „Deutschland sucht den Superstar“ (bzw. American Idol)?

Solche Shows verwandeln uns alle in Prostituierte und die Medien machen den großen Reibach damit….ein Armageddon, ein Ding, dass so weit weg von Kunst ist, wie nichts anderes, ein Grund sich scheiden zu lassen, das Ende aller Enden, Verschwendung des TV Signals, Satelliten , Fernsehern, Licht und Kameramännern, Elektrizität, wahrscheinlich das Schlimmste, was in diesem Universum existiert….noch Fragen?

Ok, bleiben wir also bei „richtiger“ Musik: Wenn Du alle Deine CDs auf den Müll werfen müsstest, aber 3 behalten dürftest, für den Rest Deines Lebens, welche würdest Du wählen?

Oha, das ist eine verdammt schwierige Frage!! Wow….öhm….also ich würde eine von mir selbst behalten und zwar „Life in the kingdom of agreement“. Warum, ist schwer zu sagen, einfach wegen dem ganzen Sound….meine neue Scheibe “Yes Sir“ mag ich natürlich auch, aber diese Lieder kann ich auch leicht alleine spielen. „Life in the kingdom of agreement“ war ein Moment, in welchem so viele verschieden Sachen zusammengekommen sind und ich muss die Lieder einfach so anhören, wie sie auf diesem Album vereint sind. Als Zweites wähle ich Allison Kraus & Union Station „New Favourite“, die macht mich immer glücklich, wenn ich sie anhöre. Und als Drittes auf jeden Fall „Dark Side of the Moon“ von Pink Floyd!!

Oha, ich sehe gerade, Du hast hier einen Ordner stehen, auf welchem „Fanmails“ steht! Sammelst Du die wirklich?

Ach herrjeh, Du hast ihn entdeckt….ehrlich gesagt fühle ich mich immer ein bisschen schuldig, wenn ich den da stehen sehe…. Ich habe ihn angelegt, um mir schöne mails mit sinnvollem Inhalt auszudrucken und bei Gelegenheit zu beantworten…

Aber das ist doch eine schöne Idee! Ich denke Fans lieben es, eine persönliche Antwort auf Ihre mails zu bekommen. Wieso fühlst Du Dich da schuldig?

Naja, weil ich’s bisher noch nicht auf die Reihe bekommen habe, das auch wirklich zu tun. Ich habe diesen wundervollen Ordner mir diesem schönen Rückenschild angelegt und dann ist er trotzdem bisher leer geblieben. In solchen Dingen bin ich leider immer noch sehr unorganisiert. Wenn eine CD über meine Homepage bestellt wird, packe ich die persönlich ein, lege nach Möglichkeit ein Poster bei und versuche kurz ein paar Zeilen dazu zu schreiben. Leider kann das dann auch mal etwas länger dauern, wenn ich z.B. mal wieder in L.A. unterwegs bin, aber ich versuche es immer schnellstmöglich!

Du managst also auch Deine Homepage komplett alleine?

Ich bekomme glücklicherweise viel Hilfe von Freunden. E-mails beantworte ich natürlich selbst, aber zum Beispiel was Photos oder das Layout angeht, bin ich froh, dass ich nicht alles alleine machen muss. Ich kenne mich nämlich nicht wirklich gut aus mit diesem ganzen Zeug. Von daher bitte ich auch alle, die etwas über Gigs oder News erfahren wollen, auf www.fullbliss.com zu gehen. Das ist stressig genug, eine Seite aktuell zu halten. Das MySpace-Profil habe ich sozusagen deaktiviert. Ich hasse diese Seite, da wird man teilweise mit soviel Müll zugespamt, das ist mir echt zu stressig. Deswegen ist die auch nicht immer auf dem neuesten Stand. Allerdings finde ich PCs im Allgemeinen nicht so toll. Ok, sie können ganz praktisch sein, wenn mein Sohn sich zum Beispiel 2 Stunden lang ganz alleine damit vergnügen kann, habe ich die Möglichkeit in Ruhe zu arbeiten. Aber ansonsten bin ich der Meinung, dass zu viele Menschen wertvolle Zeit vor dem Computer verschwenden. Das ist wie so eine Art Mauer hinter der man ab und zu mal ne e-mail verschickt. Ich rede lieber persönlich mit den Menschen und schaue Ihnen dabei in die Augen. Oder, wenn das nicht geht, schreibe ich lieber eine richtigen Brief. Ist persönlicher, finde ich.

Also ich bevorzuge da ja eher Postkarten….

Stimmt Du hast Recht! Postkarten sind eigentlich sogar noch besser!! Ein kurzes „Hallo“ von wo auch immer. Der Empfänger freut sich darüber, dass man an ihn gedacht hat, wird aber nicht unter Druck gesetzt zurück zu schreiben. Und die wirklich wichtigen Dinge lassen sich meistens auch in ein paar Zeilen ausdrücken.

Ich habe Dich in den letzten Stunden als einen sehr offenen und auch redseligen Menschen erlebt. Als gestern nach dem Gig aber einige Menschen zu Dir gekommen sind, um Dir zu dem gelungenen Auftritt zu gratulieren, hatte ich das Gefühl, dass Du auch sehr schüchtern sein kannst….liege ich da richtig?

Wow, gut beobachtet! Ja das stimmt auf jeden Fall. Ich mache schon so lange Musik und sollte daran gewöhnt sein. Aber manchmal fällt es mir sehr schwer Komplimente anzunehmen. Ich denke dann immer: Ihr müsst mir nicht persönlich sagen, dass Euch der Gig gefallen hat. Wenn es nicht so gewesen wäre, wärt Ihr bestimmt schon lange wieder gegangen. Also nicht falsch verstehen, dass soll nicht arrogant klingen. Aber ich weiß einfach nie, was ich den Menschen auf die lieben Worte entgegnen soll. Manchmal fürchte ich, dass ein einfaches „Danke“ nicht ausreicht und sie mehr erwarten und ich möchte doch die Leute, die wegen meiner Musik gekommen sind, nicht enttäuschen! Aufgrund meiner Schüchternheit finde ich inzwischen meine längeren Haare auch sehr praktisch! Da kann man sich prima dahinter verstecken und muss nicht in die Menge schauen…..wobei, manchmal ist aber gerade auch der Blick ins Publikum sehr hilfreich, wenn ich mal wieder meinen Text vergesse. Dann kann ich ihn an den Lippen der Leute in der ersten Reihe den Text ablesen (lacht)

Du hast ja gerade selbst gesagt, dass Du nun schon sehr lange Musik machst. Warum – … (David unterbricht mich)

…bin ich immer noch nicht berühmt?? (lacht wieder) Ja, das frage ich mich auch ständig. Manche denken, ich wäre es, aber nö, so isses nicht. Sonst müsste ich wohl kaum persönlich CDs verschicken….Ich könnte wohl das beste Buch aller Zeiten schreiben mit dem Titel „Die Kunst 20 Jahre lang Musik zu machen und dabei arm zu bleiben“. Aber na ja, ich mach eben trotzdem weiter. Musik ist einfach mein Leben!….öh, das wolltest Du eigentlich gar nicht fragen, oder?

(jetzt muss ich lachen…) Macht nix, wir machen einfach an Deinem Punkt weiter: wenn Du jetzt aber nicht mehr singen könntest, was würdest Du dann tun?

Gitarre spielen…

Ja ok, aber wenn auch das nicht mehr gehen würde…also wenn Du nen schlimmen Unfall oder so gehabt hättest…

Ach Du meine Güte bist Du brutal…. Was müsste denn da wohl passieren???

Ja keinen Plan…Mega-Autocrash und Du verlierst beide Arme oder so. Also nix mehr mit Gitarre spielen und singen würde eben auch nicht mehr gehen … aus welchem Grund auch immer…

Hab ich meine Beine noch? Dann würde ich was mit meinen Beinen machen! Rennen oder so. Man muss immer aus dem das Beste rausholen, was man hat!!

Ich seh schon, wir stecken hier irgendwie fest…

(David schmunzelt) Nee quatsch, ich weiß doch, was Du meinst! Mal im Ernst: ich würde trotzdem irgendwas mit Musik machen. Selbst wenn ich stumm und ohne Arme im Rollstuhl sitzen würde. Dann gäbe es ja immer noch die Möglichkeit Musik zu produzieren. Dann setz ich mich im Studio eben auf die andere Seite der Scheibe, nämlich ans Mischpult!

…mit jemandem, der Arme hat, um die Regler zu bedienen…

Genau! Das ist doch die Lösung! Ich würde das machen! Scheißegal in welchem Zustand, aber ohne Musik, wäre mein Leben einfach trostlos…

Unterhält man sich mit David Judson Clemmons, kann man seine Begeisterung für die Musik förmlich spüren und lernt ihn als wunderbar angenehmen Mitmenschen kennen, der sich immer wieder freut, neue Leute kennen zu lernen. Diese Möglichkeit gibt es in diesem Jahr auf einem seiner, meist familiär anheimelnden Gigs, noch reichlich! Alle Tourdaten findet Ihr unter www.fullbliss.com. Nicht enttäuscht sein, wenn Eure Stadt nicht dabei ist: hier kommen ständig neue Termine hinzu, denn David liebt es so sehr live zu spielen, dass er auch jede kurzfristige Gelegenheit für einen Auftritt am Schopf packt. Mein Tipp: einfach mal hingehen und selbst erleben!

von Petra Gentner | 23.05.2007 | Kommentare (0) | Kommentar schreiben

Kommentar schreiben











* Felder, die mit einem Stern (*) gekennzeichnet sind, bitte in jedem Fall ausfüllen. Deine email Adresse wird zwar gespeichert, aber auf dieser Seite nicht angezeigt.

HTML-Tags sind nicht erlaubt und werden entsprechend umgewandelt.

Vainstream Rockfest 2008

Rockfest powered by

Werbung

Vainstream empfiehlt

Werbung