Interviews

Distance In Embrace

Distance In EmbraceDistance In Embrace aus Minden haben mit ihrem neuen Album Utopia vs. Archetype einen ganz schönen Kracher rausgehauen und sind mitunter eine der erfolgreichsten deutschen Hardcore/Screamo usw. -bands. Ich hatte die Ehre mit den Jungs mal ein kleines Email-Interview zu führen.

Hi, stellt euch doch mal kurz vor!

Wir sind Distance In Embrace, und zwar im einzelnen Niko (vocals, guitar), Robin (drums), Sören (bass) und ich (Adrian, vocals, guitar). Eine erste gemeinsame Band haben wir um die Jahrtausendwende gegründet, als Distance In Embrace sind wir seit 2004 unterwegs. In der jetzigen Besetzung spielen wir seit gut einem Jahr. Wir sind auf dem westfälischen Label „Horror Business Records“ beheimatet, wo wir bisher zwei Scheiben veröffentlicht haben.

Erstmal: Seid ihr zufrieden mit der neuen Scheibe?

Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis, aber sicherlich gibt es einiges, was wir jetzt anders machen würden und wo wir uns noch weiter entwickeln möchten. Das ist auch gut so.

Was habt ihr verändert beziehungsweise verbessert?

Unserer Ansicht nach sind die neuen Songs runder und ausgereifter als die Songs der „The Consequence Of Illusions“. Der Anteil der Schreiparts ist ein wenig gestiegen, denn mit dem Weggang von Steffen haben sich nicht mehr drei sondern nur noch zwei Leute die Vocals geteilt. Mit Sörens Einstieg hat die Musik natürlich auch noch neue Einflüsse erfahren.

Gibt es Dinge wo ihr jetzt schon denkt, „die hätten wir besser machen können“?

Bei einigen Songs sind wir Kompromisse eingegangen, die wir so wohl nicht noch mal machen würden. Daher möchten wir uns beim Schreiben neuer Songs noch ein bisschen mehr Zeit nehmen. Auch an den Gesang-Arrangements lässt sich noch arbeiten.

Warum habt ihr den Titel Utopia vs. Archetype gewählt?

Durch Zufall sind wir auf den Vortrag irgendeines Wissenschaftlers über Utopien gestoßen. Es ging darum, welche Rolle Utopien in unserem alltäglichen Leben spielen und wie wichtig es andererseits ist, dass es die reale Welt fernab von Wunschvorstellungen gibt. Das hat uns zu dem Titel inspiriert. Auf der einen Seite steht die Utopie für das Neue, das Unbekannte und auf der anderen Seite der Archetyp für das Altbewährte, das Bekannte. Wir sehen uns mit unserer Musik zwischen diesen beiden Extremen. Übrigens finden sich auf dem Album Ausschnitte dieses Vortrags als Samples verarbeitet.

Ihr habt Utopia vs. Archetype in Triptis in den Rape of Harmonies Studios aufgenommen. Seid ihr mit dem Sound zufrieden? Und wie war die Arbeit mit Alex von Heaven Shall burn?

Wir sind sehr zufrieden mit dem Sound. Das ist die bisher mit Abstand fetteste Produktion von uns. Die Zusammenarbeit mit Alex war wirklich sehr angenehm und äußerst produktiv. Er hat sich nicht gescheut geradewegs heraus zu sagen, was ihm gefällt und was nicht. Da fallen dann manchmal auch ein paar harte Worte, denn nur der 100%ige Take darf auf die Platte. Was natürlich sehr gut so ist!

Ihr habt die Scheibe ja nun über Horrorbiz und Msk für UK rausgebracht. Warum habt ihr wiederum Horrorbusiness Records gewählt?

Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis mit Dave, dem Labelboss von Horror Business Records. Es gab auch Angebote von anderen Labels, die waren aber alle relativ uninteressant für uns. Wir arbeiten lieber mit Leuten zusammen, von denen wir wissen, dass sie zu 100% zu unserer Musik stehen und sie nicht nur rausbringen, weil diese Art von Musik vielleicht gerade „in“ ist.

Die Consequence of Illusions war ja schon ein sehr gelungenes Debüt. Nun habt ihr das ganze noch mal um einiges getoppt. Gab es Druck von außen der euch dazu motiviert hat das ganze noch mal zu toppen?

Der größte Erwartungsdruck kam von einem selbst. Es liegt ja immer im eigenen Interesse, sein vorheriges Werk zu toppen. Man hat ja auch lange daraufhin gearbeitet. Druck von Außen haben wir eher weniger gespürt. An sich haben wir versucht, unbeeinflusst und unvoreingenommen an die Sache ranzugehen.

Euer alter Bassist Steffen hat euch ja verlassen, um sich vollkommen auf Pullastartrip zu konzentrieren. Konntet ihr dafür in dem Moment Verständnis aufbringen und hattet ihr manchmal Angst keinen gleichwertigen Bassisten finden zu können? Denn Steffen hat die Messlatte ja schon sehr hoch gelegt.

Damals war es schwer, für seine Entscheidung Verständnis aufzubringen, aber wir haben sie in jedem Fall akzeptiert. Denn jeder sollte sich bei dem verwirklichen, was ihm am meisten Spaß macht und wo man sich am besten einbringen kann. Zeitweise haben wir auch daran gezweifelt, einen würdigen Nachfolger zu finden. Wir haben ja tatsächlich eine Art „Casting“ veranstaltet, und es gab da einige Bewerber, mit denen wir zusammen geprobt haben. Leider ist dabei nicht viel rum gekommen bis sich dann Sören bei uns gemeldet hatte. Gleich nach den ersten Takten war die Sache eigentlich klar. Im Nachhinein betrachtet war Sören Einstieg ein echter Glücksgriff, er ist ein super Bassist der unsere Musik sehr bereichert. Ich denke, dass man schon sagen kann, dass der Bassistenwechsel der Band insgesamt gesehen gut getan hat. Wir haben aber immer noch Kontakt zu Steffen und haben uns damals auch nicht im Streit getrennt.

Wie läuft bei euch das Songwriting ab? Und hat sich durch den Basserwechsel irgendwas im Songwriting verändert?

Die Grundstruktur für die Songs kommt von Niko und mir. Sie arbeiten die ersten Ideen aus und dann geht es in den Proberaum, um diese Ideen zu konkretisieren. Oft kommt dabei dann etwas komplett anderes heraus. Von der Art und Weise, wie wir das Songwriting angehen, hat sich durch den Bassistenwechsel nichts geändert.

Mittlerweile habt ihr euch in weiten Teilen Deutschands ja schon einen Namen gemacht. Wie laufen die Shows außerhalb von Minden und Lünen, wo ihr nicht euer Heimpublikum habt. Grölen die Leute dort auch schon eure Texte mit?

Das ist unterschiedlich. Es ist natürlich immer fantastisch wenn Du an einen ort kommst, wo Du vorher noch nie warst und merkst, dass das Publikum deine Texte kennt. Es zeigt dass viele Leute die „The Consequence Of Illusions“ kennen. In einigen Regionen kennt man uns besser, in anderen weniger gut. Spaß macht es natürlich auch dann, wenn die Leute dich noch nicht kennen. Da ist dann die Herausforderung größer, neues Publikum für dich zu gewinnen.

Ich habe mitbekommen, dass ihr vor kurzem euer erstes richtiges Video gedreht habt. Wann wird man es zu sehen bekommen und wo und mit wem habt ihr es gedreht?

Das Video befindet sich noch in der Postproduktion. Produziert haben wir es zusammen mit den Jungs von „Stagedive Production“ (www.stagedive.de). Wir haben dazu in Meckenheim eigens eine alte Lagerhalle gemietet. Wir sind selbst noch gespannt auf das entgültige Ergebnis.

Soweit mir bekannt ist, seid ihr ja alle Studenten. Wie bekommt ihr das Studium und die Musik unter einen Hut? Ihr spielt ja schließlich massig Shows.

Das ist teilweise schon eine Balanceakt. Oft wird die ein oder andere Vorlesung sausen gelassen. Im Berufsleben wäre das anders. Deshalb nutzen wir unser Studentendasein so gut es geht aus und versuchen alles an Shows zu spielen, was sich uns bietet. Dadurch dauert das Studium möglicherweise länger als die Regelstudienzeit besagt, aber das ist ein Preis, den wir bereitwillig zahlen.

Viele stecken euch ja in die Emo- Schublade. Wie würdet ihr eure Musik selber beschreiben und nervt euch dieses Denken manchmal?

Hm, ich würde sagen dass wir eine Form des Post-Hardcore spielen. Wir haben unser Wurzeln ja im Punk/Hardcorebereich. Wir versuchen, Elemente aus anderen Stilrichtungen miteinzubinden. Als reine Emoband haben wir uns nie gesehen. Dieses Schubladendenken nervt auf der einen Seite schon irgendwie, auf der anderen Seite muss man ja schon grob sagen, welche Art von Musik man spielt.

Was kann man in der nächsten Zeit von Distance in embrace erwarten?

Im Sommer wird unser Album in Großbritannien über MSK records erscheinen. Im August geht es dann auf Tour für uns, bei der wir neben Deutschland auch ein paar Shows in England spielen werden. Desweiteren wollen wir natürlich auch wieder neue Songs schreiben.

Was sind eure Träume und Ziele für die Zukunft?

Eine längere Auslandstour in Übersee wäre natürlich der Hammer. Vorerst möchten wir aber soviel spielen wie uns möglich ist, um neues Publikum zu erreichen und neue Erfahrungen zu machen.

Ich wünsche euch noch viel Erfolg und danke für das Interview!

Wir danken für Deine Zeit und Mühe!

von Stefan Langener | 25.04.2007 | Kommentare (0) | Kommentar schreiben

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