Interviews

Knorkator

Knorkator Vor kurzem hat die Berliner Band Knorkator ihr neues Album, „Das nächste Album aller Zeiten“, auf den Markt geschmissen. Auf der nächsten Tour aller Zeiten hatte ich die Ehre ein Interview mit Keyborder/Songwriter Alf Ator zu machen.

Guten Tag! Stell dich doch mal kurz vor.

Guten Tag! Mein Name ist Alf Ator, ich arbeite bei der Band Knorkator. Wir haben unsere Hauptfiliale in Berlin und heute sind wir bei einem Gastspiel in der Kantine in Köln.

Dann mal zum ersten Punkt. Was hältst du selber von der neuen CD?

Unsere neue CD? Grandios! Unglaublich! Genial, mir fehlen die Worte…

Warum habt ihr es „Das nächste Album aller Zeiten genannt“?

Wir sind eine Band der Superlative und das sollte auch im Namen unserer Platten zum Ausdruck kommen. Wir mussten natürlich aufpassen, dass es nicht ein Superlativ wird, das uns wiederlegt werden kann und deswegen so ein Superlativ.

Auf der Promo-CD die ich bekommen habe, habt ihr einen Text an die Schreiber gerichtet, dass euer Album genialer ist, als das der anderen usw. Warum sollte man euch mehr Aufmerksamkeit schenken als anderen Bands?

Weil wir es verdient haben! (Grinst)

Was habt ihr denn im Vergleich zu „Ich hasse Musik“ verändert, beziehungsweise verbessert?

Als „Ich hasse Musik“ auf dem Markt war und wir zur Tour übergingen, haben wir für die Tour einen neuen Trommler gesucht, der gleichzeitig einen Bassisten mitbrachte. Diese spielten die Tour mit und sind dann als vollwertige Mitglieder in die Band aufgenommen worden und haben bei der Arbeit an diesem Album ganz normal mitgewirkt. Das macht sich bemerkbar und ist der Hauptunterschied, weil es diesmal die erste Platte ist, die als komplette Band entstanden ist. Normalerweise war es immer so, dass ich meine Sequenzer und Krempelzeug fertig hatte, das war das Master und die Band hat sich danach gerichtet. Jetzt ist es so, dass zwar der Drummer nach Metronom gespielt hat, aber ich trotzdem sämtliche Keyboardpassagen dem Groove zwischen Schlagzeug und Bass angeglichen habe. Das war eine ziemliche Fummelarbeit, heißt im Endeffekt, dass es rythmisch kein Kompromiss ist, sondern direkt auf Bandfunktionalität ausgerichtet. Für mich ist es ein Haufen Arbeit gewesen und es hat mich auch echt angekotzt, aber das Ergebnis spricht für sich.

Wie viel machst Du eigentlich wirklich von der gesamten Arbeit? Auf der DVD wird es zum Beispiel so rüber bebracht , dass Du die komplette Arbeit machst und der Rest sich mehr oder weniger nur dazustellt. In wie weit stimmt das wirklich?

Ja gut, ich meine es macht Spaß die Sache so hinzustellen, da es wirklich sehr unterhaltsam ist, wenn man sich hinstellt und sagt „ihr Arschlöcher, ihr faulen Säcke, ich bin hier der einzige der was macht usw.“ Letztendlich sind wir aber ein Team und auch jeder der am Rande steht und hin und wieder einen Ratschlag gibt tut ja was nech? Nein schon richtig. Ich bin tatsächlich in den allermeisten Fällen der, der sich die Melodien und die Texte ausdenkt. Es macht mir auch wirklich Spaß Sachen zu arrangieren, mir Sätze auszudenken, dass irgendwas harmonisch stimmt. Was es aber im nachhinein zu einem richtigen Bandsong macht, das ist Gemeinschaftsarbeit. Was ich mir zum Beispiel als Bass ausgedacht habe, muss erst mal richtig Übersetzt werden in irgendetwas , was ein richtiger Bass überhaupt spielen kann. Dadurch entsteht dann eine gewisse Eigendynamik wo ich mich dann wirklich nur noch drauf verlassen kann auch richtig gute Musiker zu haben, die schon wissen was sie tun. Der Anteil an Leute um mich herum ist also absolut nicht zu unterschätzen!

Dann mal zum Song „Alter Mann“. Was stört euch denn an der heutigen Jugend? Und fühlt ihr euch wirklich schon so alt?

Mal zur Jugend: Es ist wirklich unterhaltsam, wenn ein alter Sack sich hinstellt und auf die Jugend schimpft. Man lacht darüber und kann es natürlich nicht ernst nehmen. Wir sind schon immer gerne in Rollen geschlüpft, die man nicht so richtig ernst nehmen kann und je älter wir werden, umso glaubhafter können wir so eine Rolle auch verkörpern. Das muss man ausnutzen! Im Alter kompensiert man Sünden indem man auf Sünden schimpft die man gar nicht mehr begehen kann.

In dem Text geht leider auch nicht hervor, von wem denn der Alexander umgebracht wird. Kannst du uns das mal erklären?

Von Hagen.

Aber den knallt er doch vorher ab oder nicht?? Alexander stirbt doch zuletzt.

Ah ne Sebastian, nicht Hagen! Sebastian, der ganz zu Anfang getötet wird, ist gleichzeitig auch der Mörder von Alexander. Er schießt quasi mit einer Harpune einmal um die Erde und, wenn die Mordarie zu Ende ist, trifft seine Harpune den Alexander.

Oder mit einer Zeitmaschine.

Klar! Gute Kunst kann man ja immer interpretieren. Der eine kann sagen, es ist ein Zeitmaschinensong und der andere kann sagen es ist ein Harpunensong.(lacht)

Dann beim Song “ Für meine Fans“, da habt ihr darüber geschimpft, dass ihr nur dicke, bärtige Fans habt und keine geilen Säue. Was meinst Du denn, woran könnte das liegen?

Das ist eindeutig in der Musik begründet. Die meisten Rockmusiker sind ja was das betrifft nicht ehrlich, würde man sie an einen Lügendetektor anschließen und man ihnen diese Fragen stellen , würde rauskommen, dass die meisten Musiker, je härter ihre Rockmusik ist, umso dicker und bärtiger sind auch die Fans.

Also um so richtig schicke Mädels zu erreichen, muss man sich schon casten lassen (lacht). Ich meine mit zunehmenden Alter beginnt man auch bei älteren Frauen Werte zu schätzen weißt du? Das ist einfach eine Frage von Erfahrung und von Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit kann sehr erotisch sein. Bei manchen Frauen ist beim erwachsen werden diese Gleichgültigkeit nicht vorhanden, aber bei denen die Gleichgültigkeit vorhanden ist, ist sie weitaus angenehmer als die Gleichgültigkeit, die einem vielleicht ein jugendliches Mädel entgegen bringt. Und das ist sehr erotisch ja. Aber ich muss sagen, dass seit dem wir diesen Song geschrieben haben auch mehr BHs auf die Bühne geflogen kommen. Das ist der Drang der Frauen zu zeigen, dass sie auch da sind, weil die waren ja eigentlich schon immer son bisschen da, man konnte sie aber nie richtig sehen, weil eben die dicken Männer sie verdeckt haben. Und jetzt machen sie eben durch die BHs auf sich aufmerksam.

Vielleicht waren es ja auch die BHs der dicken Männer!?

Oh stimmt, sollt ich mal drüber nachdenken ! (lacht)

Dann mal zum Song nur mal angenommen. Meiner Meinung nach einer der besten, aber wie kommt man darauf so einen Text zu schreiben? Denkst du ernsthaft über solche Sachen nach?

JA! (lacht) Ich könnte ja mal eben die große Knorkator Definition aufstellen. Im Gegensatz zu anderen Bands, was uns auch im Kern unterscheidet, was uns auch zu einer weitaus wertvolleren Band als alle anderen macht, ist die Tatsache, dass wir uns aus Gefühlen raushalten. Die Themen in unseren Songs sind in den seltensten Fällen Gefühle, sondern Gedanken. Es sind klare, rationale, fassbare Gedanken. Diese Gedanken haben halt manchmal selbstbezüglichen Charakter und schaffen es ein Paradoxon hervorzurufen. Und das zu hinterfragen und bis ins kleinste Detail auszufeilen, darin besteht der Spaß dabei. Ich will ja nicht sagen, dass es scheiße ist Gefühle auszudrücken, es gibt Künstler die das wunderbar können! Aber ich selber beherrsche das nicht so richtig. Ich bin da mehr so der Autist. (lacht)

Ihr werdet oft mit den Kassierern und JBO verglichen. Was haltet ihr von den Bands und haben die euch auf irgendeine Weise beeinflusst?

Mittlerweile kennen wir beide Bands. Wir haben mit beiden Bands schon mal auf irgendwelchen Festivals zusammen gespielt. Beide Bands bestehen fast durchweg aus angenehmen Menschen, musikalisch haben wir aber trotzdem überhaupt nichts miteinander zu tun und beeinflusst haben sie uns auch nicht.

Gibt es bei euch Themen, wo der Spaß aufhört und ihr nie Texte drüber schreiben würdet?

Glücklicherweise ist es so, dass die Themen über die ich nicht gerne so aus Anstand Texte schreiben würde, es mir gar kein Spaß machen würde Texte darüber zu schreiben . Heißt: Ich lasse einfach das weg, was mir keinen Spaß macht und komme mit mir und meinem Gewissen dann nicht in Konflikt. Ich habe nicht unbedingt das innere Bedürfnis über Dinge zu schreiben, wo ich persönlich, moralisch denke es wäre verwerflich. Ich stehe zu dem was ich tue, ich kann heutzutage immer noch wunderbar zu dem Song ey du alte Ficksau stehen. Sicher würde ich so einen Song heute nicht mehr schreiben, aber nicht, weil ich nicht mehr dazu stehe, sondern, weil alles gesagt wurde. Das heißt die Aussage und die Rolle in die wir geschlüpft sind haben wir wunderbar gespielt und das ist gesagt und, wenn wir heutzutage Touren und dieser Song ist mit im Programm, dann spielen und singen wir ihn mit voller Inbrunst . Das gleiche gilt für Tötet sie alle, da gab es natürlich Problematiken. Es gab Diskussionen, es gab Anfragen seitens der Journalisten, ob wir uns nicht der Verantwortung bewusst sind die wir haben, wenn Jugendliche das hören. Das war eben auch gerade die Zeit mit dem Erfurtmassaker .Ich meine vielleicht hatten wir auch das Glück, dass der Kerl nicht gerade eine Knorkator Scheibe im Schrank hatte, sondern Slipknot oder so. Ich muss dazu eigentlich sagen, es ist nicht unbedingt unser Niveau , dass wir irgendwelche Tabus brechen müssen, es war eben ein Song der sollte direkt so plakativ und so sein, weil die Rolle hat mir gefallen und die Diskussion, die eventuell daraus entstanden wäre, wenn das jetzt weiter aufgebauscht worden wäre, kann ich nur sagen ja mein Gott… Es ist immer einfach für die Verantwortlichen als erstes bei solchen Problematiken die Künstler dafür verantwortlich zu machen. Die müssen dann dafür grade stehen, was sie gesagt haben und in Form gebracht haben.

Im Moment seid ihr ja auf großer Deutschlandtour. Wie läuft es bisher und gibt es wieder ordentlich Gemüse fürs Publikum?

Es läuft Toll! Wir sind gerade am Anfang bis Mitte der Tour, es war bis jetzt immer so, dass wirklich mehr war als wir erwartet haben so an Publikum, was schon gar nicht schlecht ist. Gemüse gibt es diesmal nicht, da uns die letzten Veranstalter doch sehr leid taten, da sie die Clubs durch unsere Gemüse Aktion wieder neu renovieren mussten. (lacht)

So da sind wir auch schon am Ende! Danke für das Interview und viel Spaß auf der Bühne.

Ich danke!

von Stefan Langener | 23.03.2007 | Kommentare (1) | Kommentar schreiben

Kommentare (1)

Hallo Stefan,
Vorweg: tolles Interview. Ich habe selber mal für ein Zine geschrieben, welches aber mittlerweile leider eingefrohen ist. Ich habe auch mal ein Interview mit Knorkator gemacht und die haben sich benommen wie die letzten penner. Dafür hast du dich wacker geschlagen. Ich habe das Interview in der Mitte abbrechen müssen.
Respekt!
# 1 Karsten Helm 26.03.2007 12:32
Kommentar schreiben











* Felder, die mit einem Stern (*) gekennzeichnet sind, bitte in jedem Fall ausfüllen. Deine email Adresse wird zwar gespeichert, aber auf dieser Seite nicht angezeigt.

HTML-Tags sind nicht erlaubt und werden entsprechend umgewandelt.

Vainstream Rockfest 2008

Rockfest powered by

Werbung

Vainstream empfiehlt

Werbung