Interviews
Punishable Act
Die Berliner Hardcore-Band Punishable Act hat mir ein paar Fragen per EMail zur vor kurzem erschienenen Compilation „From the heart to the crowd“ beantwortet, die einige Ihrer älteren und auch neue Songs enthält, welche allesamt neu aufgenommen wurden.
Mit „From the heart to the crowd“ habt Ihr eine Art „Best Of“ Album herausgebracht. Allerdings wurden die alten Songs neu eingespielt und es sind ein paar neue Stücke hinzugekommen. Warum habt Ihr nicht einfach die Originale genommen?
Für uns ist das kein Best OF Album, sondern eine Compilation all unserer Platten. Doch nur die alten Songs von den Originalplatten zu übernehmen war nicht das was wir wollten.
Einerseits war unser Ziel denen die uns nicht kennen einen Querschnitt zu bieten von allen Platten, die zum Teil vergriffen sind. Zweitens haben wir uns spielerisch weiterentwickelt und halten die Songs jetzt für kompackter. Als Bonus waren von vornherein viele Gastsänger geplant um die Sache interessanter zu gestalten.
Wie kam es zu der Auswahl der Songs? Zeigen sie Eure Entwicklung am besten oder hängen einfach ganz besondere Erinnerungen mit ihnen zusammen?
Teils, teils. Es sind die Songs mit denen wir die beste Resonanz hatten beim Publikum. Unter anderem natürlich die meisten der Songs die wir selbst gerne spielen nach all diesen Jahren.
Bezieht sich der Titel „From the heart to the crowd“ mehr auf diese CD als Geschenk an die Fans oder mehr auf Eure gesamte Haltung gegenüber der Szene über die Jahre hinweg?
Eine sehr gute Frage!
Es ist vor allem ein Dankeschön an die Fans all die Jahre hinweg und zeigten natürlich auch unsere Haltung gegenüber der Szene. Immerhin beschreiben wir auch im Vorwort dieser CD dass wir die Musik nicht neu erfunden haben aber sie lieben und leben. Nichts ist wichtiger als live die Verbundenheit mit dem Publikum zu spüren.
Auf der CD gibt es einige Gäste zu hören von Bands wie Rykers, Anticops, Isolated, um nur ein paar zu nennen und gemastert wurde die CD von Peter „Pluto“ Neuber. Wie kam es zu diesem Stelldichein bekannter Hardcore-Größen? Was verbindet Euch miteinander?
Wie schon erwähnt war es von vornherein so geplant. Was sich für uns positiv herausstellte ist das Gefühl einen Kreis wieder neu geschlossen zu haben. Auch die Wahl des Produzenten und des Masters war ein bewusster Teil des Titels dieser CD. Es verbindet uns mit allen Sängern positive Erinnerungen und wären wir nicht befreundet, hätte sich bestimmt auch keiner dazu bereit erklärt. Also ist hiermit alles gesagt: „Unity“
Wie würdet Ihr jemanden, der Euch nicht kennt, davon übrzeugen, Eure CD zu hören/kaufen?
Man kann niemanden überzeugen.
Derjenige der unsere Produktion kauft, sollte die Art Hard-Core mögen die wir spielen und sich live davon überzeugen lassen.
Eure nächste CD „rhythm of destruction“ wird auf Eurer Webseite für Herbst 2007 angekündigt. Was erwartet uns?
Meiner Meinung nach, fällt sie härter aus als unser letztes Album Anti-Vision. Es gibt wieder high-speed Atacken aber auch Songs im midtempy Bereich.Textlich ist es auf jeden Fall unser kompromisslosestes Album.
Punishable Act existiert nun namentlich seit 1993. Ihr habt aber auch schon vorher Musik gemacht und zwar in der Punkband Reasors Exzesz. War der Wechsel vom Punk zu Hardcore für Euch der logische nächste Schritt oder wolltet Ihr mal etwas anderes machen? Hatte es für Euch als Ost-Berliner auch etwas mit der Maueröffnung zu tun?
Es war der logische Schritt. Denn irgendwann hatten wir die Schnauze voll von no future und no fun. Hard-Core in den frühen 80ern war speziell für mich eine gute Schule fürs Leben. Er war verwurzelt mit dem Punk-Rock, war trotz alledem härter, kompromissloser in seiner Spielart und gab mir textlich mehr Perspektive. Für mich besonders die anfängliche straight edge Szene.
Mit dem Fall der Mauer hatte das für uns nichts zu tun. Da wir auch schon zu Reasors Exzesz Zeiten uns am Hard-Core probierten.
Ihr zählt mit inzwischen über 14 Jahren Bandgeschichte zum deutschen Hardcore-Urgestein. Wie habt Ihr die Szene in dieser Zeit erlebt? Wie hat sie sich in Euren Augen bis heute entwickelt?
Wir haben alle Höhen und Tiefen erlebt. Heutzutage sind die Lager recht gespalten, was die musikalischen Unterschiede mit sich bringen. Ich wünschte mir mehr Toleranz gegenseitig, weil das eine Grundhaltung ist für all die sich mit Hard-Core befassen. Wir halten es so wie eh und je , wir spielen mit jedem und wir akzeptieren jeden innerhalb der Szene. Trotzdem möchte ich klar stellen, dass wir nicht der Vergangenheit nachtrauern. Für uns war damals noch vieles neu, was automatisch eine gewisse Euphorie beinhaltete. Heut sehen wir vieles nüchterner und reeller.
Wohin wird diese Entwicklung noch gehen?
Erstmal erscheint 2007 im Herbst eine neue Platte . Gleichzeit wollen wir Ende des Jahres wieder ins Studio gehen, um nicht wieder so viel Zeit zu verschwenden. Und alles andere wird sich zeigen.
Wenn Ihr an Eure Laufbahn denkt, hättet Ihr etwas anders gemacht?
Können wir nicht beantworten, weil wir unsererseits keine großen Fehler gemacht haben. Und richtig war für uns immer das zu tun, wo wir auch 100%ig hinterstehen.
Wie finanziert ihr „Punishable Act“ als Band? Was macht Ihr zum Leben, wenn Ihr nicht auf der Bühne steht?
Die Band trägt sich selbst, ansonsten sind wir alle selbständig und gehen unserer täglichen Arbeit nach.
Wie geht es jetzt weiter bei Euch? Touren? Pause?
Es gibt jetzt keine Pause : spielen, spielen, spielen wir nehmen jede Tour mit, die sich bietet.
Danke für das Interview!
Wir danken dir, bis bald.
von Stephan Oberländer | 05.03.2007 | Kommentare (0) | Kommentar schreiben
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