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Saosin

SaosinWundert euch jetzt bitte nicht, dass dieses Interview so spät online gesetzt wird. Mir ist ein Umzug dazwischen gekommen. Ein Umzug an sich ist ja schon eine sehr nervige und zeitintensive Sache. Dauert dieser Umzug jetzt allerdings ungewollte ganze zwei Monate sind leicht merkwürdige Lebensbedingungen vorprogrammiert. Jetzt kann ich aber wieder voll durchstarten, sage Hallo aus meiner neuen Heimat Hamburg City und klemm mich wieder richtig hinter meinen Schreibtisch.

Wir schreiben Dienstag, den 7.11.2006 und ich mache mich gegen Mittag mit dem Zug auf in Richtung Bielefeld. Der Interview Termin ist auf 16h angesetzt und ich bin schon sehr gespannt was mich erwartet. Vor dem Gebäude schnell ein paar Techniker gefragt und schon wurde ich dem Tourbegleiter vorgestellt. Ein riesiger Typ und riesigen Tattoos. Er war aber auch genau so nett wie groß! Nach 10 Minuten stellte er mir Chris, den Bassisten von Saosin vor, welcher mein Interview Partner sein wird. Im Cateringbereich stand er mir Rede und Antwort. Im Hintergrund hörte man wie Taking Back Sunday mit einigen Mitgliedern von UnderOath und Saosin probten. Sehr interessant - warum das Ganze werde ich 10 Minuten später im Interview erfahren.

Was sollen der Käfer und die Glühbirne bedeuten?

Der Käfer war zuerst da. Wir kamen auf die Idee als wir mit unserem Grafiker das Artwork besprochen haben. Wir spielten mit verschiedenen Einfällen und auf einmal kam die Glühbirne ins Spiel. Es sieht einfach cool aus, aber wir wussten am Anfang nicht wirklich was wir damit anfangen sollten. Im Laufe der Zeit assoziierten wir mit der Glühbrine den Wachstum der Band oder die Geburt von etwas neuem. Man kann es auch symbolisch für das Aufkommen einer Idee sehen, quasi ein Geistesblitz.

Es sieht aus, als wenn etwas irgendwo durchbricht

Yeah, genau! Als wenn etwas zu groß für den Ort, an dem es sich gerade befindet, wird. Man sucht sich ein neues Level und versucht auch hier zu wachsen.

Standartfrage. Wie seid Ihr auf den Bandnamen gekommen?

Ähm, … den hatte noch keiner! (lacht) Nein, im Ernst, es steht eine Bedeutung hinter diesem Namen. Unser früherer Sänger Anthony hatte die Idee und das schon Jahre bevor er zu der Band kam. Er nannte ein Gedicht Saosin und der Begriff hat auch einen kulturellen Hintergrund. Als er dann der Band beitrat nahmen wir einfach diesen Namen. Er passt einfach!

Auf Eurer Platte entdeckt man so viele Details und Spielereien. Selbst wenn man glaubt, sie zu kennen, findet man immer neue Melodien und Kleinigkeiten. Legt Ihr viel wert darauf, dass sich alle so „voll“ anhört?

Auf jeden Fall. Wir wollten diese Energie, die die Band umgibt, einfangen. Das ist einfach die Art wie wir arbeiten bzw. schreiben. Jeder einzelne steht im Focus und bringt seine Ideen mit ein. Es gibt keinen Bilderbuch Leadgitarristen der alles vorgibt. Es sind die Impressionen von jedem einzelnen und das macht das Album zu einer riesigen, fetten Platte.

Als ich die Cd zum ersten Mal über richtig gute Kopfhörer hörte war ich total geflasht. Das habt Ihr gut gemacht! (lacht)

Yeah, da ist einiges los (lacht)

Es hat sehr lange gedauert, bis Ihr das neue Album raus gebracht habt. Hat das mit Euren Hang zum Perfektionismus zu tun?

Nun, wir veröffentlichten unsere erste EP „translating the name“ in 2003 und 2004 verließ uns unser damaliger Sänger. Cove, unser neuer Sänger, trat der Band erst Ende 2004 / Anfang 2005 bei. Von da an waren wir fast nur auf Tour. Wir spielten die Taste Of Chaos Tour in den Staaten mit The Used und My Chemical Romance. Dann waren wir mit den Bands Anberlin und Codeseven unterwegs. Genau im Anschluss kam die Vans Warped Tour, Mainstage (!). Einen Monat später tourten wir mit einer Band namens Sevenfold und dann kamen wir hier nach Deutschland und supporteten Coheed and Cambria. Es passierte also eine ganze Menge. Da waren unter anderem noch die 8 Monate ohne Sänger, in denen wir schon viel geschrieben haben. Als Cove dann mit im Boot war mussten sich logischer Weise erstmal alle einarbeiten und aneinander gewöhnen. Das lief allerdings perfekt. Schließlich schrieben wir dann auch mit Cove zusammen und alles lief wie wir es immer wollten. Als wir dann im Studio waren passte auch alles super. Die Drums zum Beispiel waren schon nach 4 Tagen eingespielt und es handelte sich immerhin um 13 Songs!

Seit dem Ihr Euren neuen Sänger habt, hat sich der Sound ein wenig verändert. Merkt man hier die Wechsel der Bandbesetzung? Inwiefern habt Ihr Euch weiterentwickelt?

Ja, es gab Veränderungen! Die ursprünglichen Sachen kamen alle von Beau. Das waren z.B. alle Stücke auf „Translating The Name“. Seit dem ich in der Band bin arbeiten wir aber alle an der Musik und diese Entwicklung kann man spüren. Saosin besitzt jetzt produktivere Mitglieder als zuvor und das merkt man eben. Der aktuelle Sound ist das, was wir alle vor Augen hatten und wir haben alle hart zusammen daran gearbeitet.

Im Frühjahr habe ich Silverstein getroffen und konnte sie ein bisschen besser kennen lernen. Wir sprachen über die ganze Emo Sache und viele andere Bands. Sie würden sich selbst niemals als Emo- Band bezeichnen. Würdet Ihr?

Ich glaube niemand würde sich selbst als Emo Band bezeichnen. Emo hilft unseren Sound zu beschreiben aber hinter diesem Stichwort steht auch ein riesiger Berg an Vorurteilen…. z.B., dass Emo Band alle scheiße sind und nur rumheulen… (lacht) Früher hörte ich Bands von denen ich dachte, dass sie Emo sind. Aber die haben überhaupt nichts mit dem Sound von heutigen Emo Bands am Hut.

Was sagst Du zu diesen ganzen Emo Klischees? Sterntattoos, Emo Haarschnitte und Nicknames aller „my bleeding whatever“…

(lacht).Ich denke, dass dies einfach Tatsachen sind, es ist ein Teil dieser Kultur. Es handelt sich um eine Generation die von diesem Kram beeinflusst wird und sich durch diese Art am besten ausdrücken kann. So etwas passiert aber immer wieder! Als Grunge angesagt war liefen alle in Holzfällerhemden mit zerrissenen Jeans rum und ihr Idol war Kurt Cobain. Als New Metal in war, liefen alle mit Slipknot T-Shirts und Dreads rum. Es ist ein Kommen und Gehen. Was uns wichtig ist, ist, dass wir diesen Hype überstehen und danach nicht nur wegen der Emo Welle gemocht werden. Wir wollen uns als Band Saosin herauskristallisieren und noch länger wirken können.

Beschreiben Eure Texte wahre Geschichten oder sind sie Fiktion?

Manche spiegeln Sachen wieder, die gerade um uns herum passieren, aber ich würde fast sagen, dass die gesamte Platte eine Autobiographie über die Band ist. Über das, was wir als Band machen, erlebt haben und welche Beziehungen zu welchen Menschen bestehen. Du musst dir vorstellen, dass wir 8 bis 9 Monate im Jahr ständig zusammen sind. Wir haben in der Zeit nur uns. Es gibt keine bestimmten Erzählungen oder ausgedachte Geschichten auf der Platte. Es geht definitiv darum, wie wir alles aufnehmen und verarbeiten.

Bestehen Unterschiede zwischen der TOC Tour in den Staaten und hier in Europa?

Von der Grundidee nicht. Abgesehen davon, dass wir in Amerika oder Australien die Distanzen von Location zu Location mit dem Flugzeug bewältigen. Da wäre man sonst tagelang mit dem Bus unterwegs.

Ist in Amerika nicht alles viel größer?

Gut, das stimmt! Ich glaub die kleinste Location in den Staaten fasste 2000 Personen. Hier in Deutschland oder in Japan sind die Clubs da schon kleiner.

Die aktuelle TOC Tour geht jetzt ja schon ein Zeit lang. Erzähl mir ein bisschen von den Shows der vergangenen Tage hier in Deutschland. Hattet Ihr eine gute Zeit?

Ja! Absolut! Ich würde sagen, dass die Show gestern in Frankfurt bislang die Beste hier in Deutschland war. Die ganze Musikszene in diesem Land ist so unterschiedlich wie an vielen anderen Orten. Wir hätten nicht gedacht, dass hier so viele Leute aufkreuzen, die sich mit ihren Freunden das Konzert ansehen und einfach nur Spaß haben und chillen. Niemals hätten wir mit so vielen Fans gerechnet. Ganz ehrlich, alle Shows in Deutschland waren bislang absolut verrückt und überwältigend. Mir fiel auch auf, dass die Deutschen keine Angst davor haben, dir ihre Meinung direkt ins Gesicht zu sagen (lacht). Wir mögen es hier einfach!

Wie ist das Leben hinter der Bühne und während der Zeit zwischen den Shows? Kann man von einer Art TOC- Family sprechen?

Familie? Auf jeden Fall! Ein aktuelles Beispiel: Der Gitarrist von Taking Back Sunday musste aus wichtigen persönlichen Gründen gestern nach Hause fliegen und die Band hätte alle weiteren Shows absagen müssen. Aber Justin und Beau, unsere beiden Gitarristen, spielen jetzt während der nächsten 4-5 Shows abwechselnd für Taking Back Sunday. Selbst unser Sänger, Cove, macht mit und sing gerade jetzt (…im Cateringbereich kann man die Bandprobe von „Taking Back Saosin“ aus der Konzerthalle hören. Das ist verdammt großes Kino!) und ebenfalls Aaron und Spencer von UnderOath helfen bei ein paar Songs aus. Wir, Taking Back Sunday, UnderOath und Senses Fail kennen uns schon alle eine ganze Zeit lang und wir hängen auch immer alle zusammen rum. Heute haben wir uns mit allen Leuten die Stadt angesehen. Es ist definitiv eine Art Familie!

Kennt und mögt Ihr eigentlich die deutschen TOC- Bands wie Ashes Of Pompeii oder Fire In The Attic?

Ehrlich gesagt habe ich leider noch nicht viel von Ihnen mitbekommen. Ich konnte mir nur in Berlin ein paar von den deutschen Bands ansehen und die waren alle verdammt gut und sowieso alles sehr sehr nette Jungs. Ich hoffe das kann man im weiteren Tourverlauf wiederholen.

Ein paar Fragen zu myspace.com. Diese Plattform hat ja einen wirklichen Boom hinter sich. Besonders für Bands bieten sich da ja viele interessante Möglichkeiten. Was denkt man, wenn man sieht, dass seine Songs dort über 10.000.000 Mal abgespielt wurden, bevor das Album überhaupt veröffentlicht ist?

Das ist verrückt! (hält einen Moment inne, scheint sehr gerührt zu sein…) Ich kann kaum in diesen Dimensionen denken. Es ist auf alle Fälle cool, dass myspace einem so eine Plattform bietet. Fantastisch ist es auch für noch unbekannte Bands.

Also ist myspace sehr wichtig für Saosin um z.B. mit den Fans zu kommunizieren oder sich weltweit zu präsentieren?

Definitiv! Es besuchen viel mehr Leute unsere myspace Seite als unsere eigentliche Webpage. Wir mögen es sehr, unsere Fans so optimal auf dem Laufenden zu halten. Da gibt es so viele einfache Möglichkeiten z.B. die Blogs oder die Bulletins. Ganz zu schweigen von der Player- und er Videofunktion. Es spart auch im Vergleich zu individuellem Email Kontakt viel Zeit. Man muss auch nicht seine Email Adresse angeben oder so. Man fügt jemanden einfach zu seinen Freunden hinzu und schon geht’s los.

Standardfrage # 2, Was plant Ihr für die Zukunft?

Einfach das, was wir jetzt machen fortsetzen. Wir hoffen dieses Album gut vorstellen zu können und dann das gleiche mit einer neuen Platte zu machen und dann noch einer Platte und so weiter und so weiter (lacht). Wir wollen sehen wohin wir kommen können…

Im direkten Anschluss an das Interview konnte ich noch ungefähr eine Stunde zusehen, wie Taking Back Sunday mit ihren neuen Gastmusikern probten. Man kapierte erst später beim Konzert, dass es sich hier um eine einmalige, total geniale Konstellation dieser „Emo Titanen“ handelt. Mit einer Gänsehaut verließ man den Ringlokschuppen und brach ins Umzugschaos auf.

von Timo Meinen | 18.01.2007 | Kommentare (1) | Kommentar schreiben

Kommentare (1)

cooles interview, timo! war echt nen sau geiler abend!
# 1 kocz 08.05.2007 01:37
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