Interviews
Alexisonfire
Am 10.12.06 sollte es endlich soweit sein, dass die kanadische Screamoband Alexisonfire wieder in Köln im Underground zu sehen war. Mit im Angebot waren noch, die ebenfalls aus Kanada stammenden, Cancer Bats und This is Hell. Zuvor hatten wir das vergnügen uns mit dem Alexisonfire Frontmann George Pettit zu treffen um ihm einige Fragen zu stellen…
Hi George, wie war die Tour bisher?
George: Es war großartig. Wir haben tolle Freunde kennen gelernt und tolle Shows gehabt. Ich meine es macht immer spaß und ist cool auf Tour zu sein aber wieder hier zu sein ist schon etwas Besonderes. Ich mag es sehr.
Gibt es Orte oder Länder, in denen ihr lieber spielt als in anderen?
George: Hm.., ich mag es eigentlich überall zu spielen. Klar, wir haben immer viel Spaß wenn wir in Kanada spielen aber es gibt an jedem Ort Dinge die positiv sind. Ich meine, die Shows sind immer ziemlich verrückt, egal, wo wir hingehen und wir haben immer Spaß. Dennoch gibt es Städte und Orte wie z.B. in Australien oder eher ungewöhnliche wie in Japan wo das Touren noch mehr spaß macht. Hier in Europa haben wir das erste Mal in Skandinavien gespielt und das war auch Großartig. Irgendwie ist es überall cool. Natürlich auch In Deutschland! Hier in Köln sind viele Leute, die mit unserem Label zu tun haben, deswegen ist es immer cool mit denen raus zu gehen und was zu trinken.
Kommen wir zu eurem neuen Album „Crisis“. Auf dem Vorgänger „Watch Out“ gab es bei fast allen Songs gut durchdachte Arrangements und viele Gitarreneffekte, die auf „Crisis“ kaum oder gar nicht mehr vorzufinden sind. Warum?
George: Ja, die sind einfach nicht mehr da. Wir wollten uns nicht selber wiederholen. Wir haben auch viel beim Aufnahmeprozess daran gearbeitet und dinge weggelassen, die überflüssig wirkten. Wir wollten z.B. die Gitarren nicht doppeln.
Oh, also sind beide Gitarren nur einmal eingespielt?
George: Ja, meistens. Ein paar Parts sind schon dabei, die gedoppelt wurden. Dazu haben die Jungs aber eine 12-Saitige Gitarre benutzt um die Oktavnoten einfach mit aufzunehmen, damit das ganze etwas fetter klingt. Andererseits wollten wir es authentisch halten und nicht überproduzieren. Wir wollten die Songs so aufnehmen wie wir sie zuletzt hatten und haben das Schlagzeug und den Bass einfach so aufgenommen, dass sie etwas „flacher“ klingen.
Somit gab es wahrscheinlich kein Konzept, wonach ihr euch gerichtet habt?
George: Nein, wir haben uns nicht hingesetzt und uns irgendwas überlegt. Wir waren einfach an einem Punkt, wo wir mehr rockige Songs spielen wollten. Ich meine, wir wussten, dass die Songs, die wir auf den ersten beiden Alben spielten, einfach nicht so gute Livesongs waren. Bei diesem Album behielten wir das immer im Hinterkopf. Wir wollten diese Songs auch einfach so auf die Bühne bringen können und uns war klar, dass wir die Kids auch bei einigen Parts einfach zum mitsingen bewegen wollten.
Wie läuft der Prozess des Songwritings bezogen auf die Lyrics? Klar ist, dass du welche schreibst…
George: Oh, jeder von uns schreibt mit. Also das heißt, jeder kann soviel an den Texten Teil haben, wie er will. Also wenn jemand eine Zeile hat, wovon er denkt, dass sie cool wäre wenn du sie übernimmst oder du etwas veränderst, kann das jeder tun. Meistens ist es so, dass jemand etwas aufschreibt und wir uns für ein Thema entscheiden und dann daran arbeiten. Größtenteils ist es so, dass ich meine Parts schreibe und Dallas z.B. seine Parts aber wir unterstützen uns auch sehr gerne gegenseitig.
Offensichtlich hat Wade bei dem neuen Album mehr mitgearbeitet, weil er ja schließlich auch mehr Parts übernimmt…
George: Ja das stimmt! „Keep it on wax“ ist größtenteils von ihm und bei “Drunks, Lovers…“ z.B. hat er viel mitgearbeitet.
Erkläre mal in eigenen Worten, was für eine Art von Musik ihr spielt.
George: Ehm, ja so Sreamomusik (Lacht). Irgendwie mehr Rockige Screamomusik. So etwas in der Art. Also wir haben diese Dynamischen Schrei-Sachen und viele Rockriffs, Up-Beat Tempi und so weiter.
In Kanada seid ihr in der ersten Woche direkt auf Platz 1 in den Albumcharts mit „Crisis“ gelandet. Was bedeutet euch das?
George: Hm, ich weiß nicht. Ich will dem ganzen gar nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Uns kommt es einfach nicht darauf an wie viele Konzertkarten oder Alben wir verkauft haben. Ich meine, klar ist das cool. Aber im nächsten Moment stehst du da wieder und denkst, O.K., lasst uns die nächste Show spielen…!
Wie sieht euer Leben neben dem Touren, Aufnehmen usw. aus? Geht ihr nebenher noch Arbeiten oder so?
George: Nein. Also wir haben ja alle noch irgendwie Nebenprojekte wie Dalls z.B. mit „City and Colour“, Jordan ist bei „Finish Strong“, Wade versucht viel mit „Black Lungs“ zu machen. Ich selber habe eine 7“ mit einer Band herausgebracht, die sich „The burdon filled Four“ nennt. Das hab ich einfach mal mit ein paar Jungs gemacht die ich kenne. Ab und zu gehe ich in Clubs ein bisschen auflegen nur um mal zeitweise was zu tun zu haben. Ok, eigentlich um frei Trinken zu dürfen und die Musik zu hören, die ich mag (Lacht).
Also könnt ihr von dem Geld Leben, was ihr mit Alexisonfire verdient?
George: Ja doch. Es läuft gut. Ich meine, es ist ja nicht so, dass wir nicht arbeiten würden. Wir sind 9 – 10 Monate im Jahr auf Tour. Im Großen und Ganzen muss ich mich also nicht darum bemühen meine Rechnungen zu bezahlen.
Wann genau habt ihr angefangen zusammen zu spielen und Alexisonfire zu gründen?
George: Vor so ungefähr 5 Jahren, also 2001. Das war so die Zeit als wir die ersten Platten herausbrachten.
Wie habt ihr euch kennen gelernt?
George: Wir kannten uns durch die lokale Musikszene. Dadurch, dass wir zu lokalen Punkshows gegangen sind kannten wir die jeweils anderen vom sehen her und wir hatten uns gegenseitig in verschiedenen Bands spielen gesehn. So kamen wir dann irgendwann zusammen als Wade, Dallas und Jessie angefangen haben zu jammen, mich und Chris eingeladen haben unser ding ein wenig mit zu machen. Dann fingen wir an unsere erste Demo aufzunehmen und sind aufgetreten. Jetzt sind wir in Deutschland (lacht). Aber es ist natürlich viel passiert in der zwischenzeit.
Erzähl uns mal was von deinen Lieblingsbands und Haupteinflüssen in der Musik!
George: Oh… da gibt’s vieles. Einige meiner Lieblingsbands sind The Stooges, Nick Cave, Curtis Mayfield und so weiter. Ich hör viel Reggae im Moment aber auch einfach viele Punkbands, so zu sagen quer durch die Riege. Neal Young, Hot Water Music … all so was.
Also ist dort kein Haupteinfluss auf Alexisonfire auszumachen?
George: Nein. Also der Haupteinfluss ist, dass wir alle sehr vielseitige Musikgeschmäcker haben und, dass wir an einem Strang ziehen als Band. Somit wird es nie einen Musikalischen Haupteinfluss geben. Als wir angefangen haben waren da natürlich Sachen, die viel mit Sreamo zu tun hatten, die mich direkt beeinflusst haben. Ich erinnere mich an eine kleinere Band die Caking hieß, die auch in Ontario unterwegs waren. Die Jungs haben auch mehr so diesen Melodischen Hardcore gemacht. Auf deren Shows sind die Leute einfach nur ausgerastet und haben die Bühne gestürmt und einfach riesigen Spaß gehabt dort zu sein. Und solche Konzerte hatten definitiv einen großen Einfluss darauf wie wir Musik machen.
Warum habt ihr die Taste Of Chaos tour nicht mitgespielt? Ihr wart schließlich angekündigt auf deren Homepage…
George: Ganz einfach, weil wir nicht für diese Tour gebucht wurden! Sie haben uns nicht gefragt, ob wir spielen wollen. Wir wurden für die UK-Tour gebucht und haben die mitgespielt und auf einmal haben sie uns für die ganze Europa, Japan und Australien Tour angekündigt, wofür wir nicht gebucht waren. Dann kamen E-Mails von den ganzen Kids die wissen wollten warum wir dort nicht spielen, wo sie doch schließlich auch die Karten wegen uns gekauft hätten. Mehr als „Wir wurden nicht gefragt“ konnten wir denen leider nicht sagen. Mit den Leuten von Taste of Chaos, die auch teilweise die Warpedtour machen, ist es schon so einige Male ziemlich schwierig gewesen. Da waren sind ein paar echt beschissene Sachen passiert. Und das finden die Kids dann natürlich auch scheiße.
Wenn ihr auf Tour seid, gibt es bestimmte CDs, die ihr im Tourbus gemeinsam hört?
George: Hm, nein. Eigentlich hat jeder seinen Mp3-player und beschäftigt sich damit. Ab und zu schmeißen wir mal was an wie z.B. Attack in Black oder die neue Converge. Ich hab viel auf Vinyl gekauft, was natürlich schlecht im Bus zu hören ist. Ansonsten hab ich mir immer Mixtapes von meinen Platten selber zusammengestellt; diesmal hab ich es irgendwie nicht geschafft.
Ok, vielen Dank für das Interview. Möchtest du noch irgendwas loswerden?
George: Oh, ich hasse diese Frage… (lacht). In Deutschland wird man diese Frage immer wieder gestellt. Naja, für mich ist es dann immer so als ob das Spotlight auf mich fällt und ich dann irgendwas Inspirierendes sagen soll. Also, wir sehn uns bei der Show (lacht)! Nein im Ernst, wir schätzen die Unterstützung wirklich und sind dankbar für die großartigen Shows!
Nach dem Interview sahen wir uns noch entspannt die Show an, es war ein sehr gelungener Abend mit feinen Vorbands und natürlich einer grandiosen Alexis Show!
von Stefan Langener | 08.01.2007 | Kommentare (3) | Kommentar schreiben
Kommentare (3)
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