Interviews

The BossHoss

The BossHossAnlässlich des Folklore im Garten Festivals 27.08.2006 in Wiesbaden wurde folgendes Interview mit Hoss Power und Boss Burns, den beiden netten Sängern von The BossHoss geführt. Das Konzert der Band bildete den Abschluss des alljählich stattfindenden Festivals rund um das Wiesbadener Schloss Freudenberg. In diesem Jahr gab es bereits den 30. Geburtstag zu feiern.

Ich hab mal in einem Interview gelesen, dass das eine Zufallsgeschichte war, dass ihr Countrymusik macht. Könnt ihr erzählen wie es genau dazu gekommen ist? Warum Country?

Hoss: Ja, das war letztendlich Zufall. Wir machen schon ganz lange Musik im Rock’n’Roll-Bereich. Und dann haben wir uns einen schönen Tages kennengelernt, auf Arbeit in Berlin, und waren beide Sänger in einer Band - und haben dann natürlich auch so nen ähnlichen Musikgeschmack und haben uns dann zusammengetan, zum Biertrinken erstmal. Das gemeinsame Thema war natürlich immer Musik und Bands, und dann irgendwann haben wir angefangen Songs zu machen und aufzunehmen - nur so zum Spass, lange vor BossHoss schon. Andere, meistens irgendwie so rockige Dinger.

Wir hatten damals die Möglichkeit, in so einem kleinen Home-Recording-Studio aufzunehmen. Und eines Abends waren wir dann auch in der Bar und dachten „Lass uns doch mal Country machen“ und hatten uns nichts weiter drunter vorgestellt. Wir wollten einen Coversong machen, weil wir schnell zum Ergebnis kommen wollten und nicht erst nen Song schreiben. Ja und aus dieser Laune heraus wurde dann ganz langsam Ernst. Wir haben ein halbes Jahr lang immer mal wieder nen Song aufgenommen und irgendwann kam die erste Party, wo wir gedacht haben „Lass uns BossHoss mal live umsetzen“.

Wir beide haben angefangen und haben dann in unserem Freundeskreis gefragt wer Bock hatte auf ner Party das live umzusetzen. So kam die Band zustande.

Habt ihr euch jetzt auf Country festgelegt oder könnt ihr euch vorstellen, irgendwann auch mal was anderes zu machen? Ein paar von euch spielen ja auch in einer Rockabilly-Band…

Boss: Wir empfinden es ja gar nicht als nur Country. Wir finden schon, dass das eher ne Rock’n’Roll-Band ist als Country. Wir bedienen uns halt vieler Stilelemente und klingen auch schon mehr nach ner Countryband. Wenn man das aber vergleicht mit was man sich normalerweise unter Country vorstellt, fällt schon auf, dass das eher rockiger und rock’n’rolliger ist, und von daher stellt sich gar nicht die Frage so konkret, weil wir werden uns sowieso soundmäßig verändern, haben wir ja auch bei der aktuellen Platte schon: knallt mehr, mehr Gitarre als auf der ersten, paar Stücke die wesentlich schneller sind und ich glaub in die Richtung wird’s gehen, dass der Coveranteil bisschen an Gewicht verliert und es wird mehr dahin gehen, dass BossHoss eine eigenständige Band, mit eigenem Rock’n’Roll-Sound, werden.

The BossHossIn die Richtung geht auch meine nächste Frage: Was macht euch denn mehr Spass? Lieder neu zu arrangieren oder eigene Sachen zu machen?

Boss: Beides

Hoss: Beides cool. Wir hatten, als wir mit dem Covern angefangen haben, einen Riesenspass dran - und nach und nach hat sich auch so ein Bandsound entwickelt. Wir haben gesagt „Lass uns mal was Eigenes probieren“ nachdem wir das Thema schon mehr ernstgenommen haben, und das hat auch großartig Spass gemacht.

Wir haben halt angefangen mit Covern, die Leute fanden es irgendwie geil und deswegen wollten wir auch nicht jetzt auf der ersten Platte auf einmal nur eigene Songs drauf packen. Deshalb haben wir es relativ übersichtlich gehalten: 3 eigene, der Rest war gecovert. Beim zweiten Album haben wir uns mehr ins Songwriting reingesteigert und haben jetzt ungefähr Hälfte eigene – Hälfte gecoverte und es macht beides Spass. Es ist sowohl ne Herausforderung nen bestehenden Song geil zu machen in unserem Style und genauso einen BossHoss-Song zu präsentieren

Und wie lang dauert es, wenn ihr ein Lied neu arrangiert - also vom Original bis zum neuen Endprodukt?

Boss: Unterschiedlich. Manche Sachen flutschen einfach von der Hand und sind nach 1-2 Stunden im Grunde schon fast fertig, also man weiß, wo die Reise hingeht; und bei manchen Songs braucht man auch mal ne Woche, oder muss die auch mal für ein paar Tage liegen lassen, nen anderen erstmal machen und erst dann wieder rausholen. Das ist also ganz unterschiedlich.

Es ist ja ganz einfach nen Song einfach nachzuspielen den man kennt, aber das Spannende ist ja, daraus ne Nummer zu machen, die wirklich dann noch gewinnt musikalisch, also eine Umsetzung zu finden, die halt für einen selber interessant ist und die den Leuten Spass macht. Ansonsten würde das ja auch nicht funktionieren, dass die Leute Coverversionen, so wie wir sie machen, abfeiern. Wenn sie einfach nur so wären wie man sie schon kennt, wäre es langweilig. Von daher ist das auch gar nicht mal so einfach.

Ihr habt ja jetzt ganz unterschiedliche Konzerte gespielt: Festivals, normale Club-Tour, … Was gefällt euch da am besten? Ist es für euch spannender, Leute die euch noch nicht so kennen für euch zu…

Hoss: Beides! Sowohl ne Club-Tour, wo die Leute extra nur wegen uns kommen, ist natürlich geil von der Stimmung. Da muss man zwar auch viel arbeiten, aber die Leute kennen die Band schon und sind sehr interessiert an der Band und gehen deswegen hin. Aber auch Festivals, die wir jetzt die letzten zwei Monate fast ausschließlich machen, da ist natürlich nicht jeder wegen dir da, und das ist genauso spannend ein paar neue Leute zu kriegen.

Und vor vielen Leuten zu spielen ist genauso geil, mit Tausend Leuten vor der Bühne oder mehr, aber genauso hats was nen kleinen Club mit tropfendem Schweiss von der Decke zu rocken. Beides cool!

The BossHossGibt’s so was wie ein schönstes Konzert bisher?

Boss: Das ist schwer zu sagen, das wechselt sich ab, du erlebst ja auch jede Woche neue.

Es wird auch irgendwann schwierig… Wir haben jetzt schon fast 280 Konzerte in anderthalb Jahren hinter uns und da ist es schwierig, den Überblick zu behalten.

Also in Berlin sind die Sachen besonders beeindruckend, weil wir da natürlich ne besondere emotionale Verbindung haben und da halt Heimat und irgendwie ein gutes Gefühl ist.

Für mich in den letzten 2-3 Wochen war es z.B. in der Schweiz sehr beeindruckend. Super Location, mitten im Tal, rundherum Berge und die Leute waren super am Start und haben uns tierisch abgefeiert und das obwohl es noch früh am Nachmittag war.

Hoss: Mit Franz Ferdinand, großes Festival mit ganz vielen Leuten…

Boss: Hat Eindruck gemacht…

Hoss: Ja, das war richtig fett!

In welchen Ländern habt ihr jetzt schon gespielt?

Boss: Schweiz, Dänemark, Holland, Belgien

Hoss: Am meisten natürlich Holland, Österreich, Schweiz. Dänemark fangen wir jetzt grade so an. Anfang des Jahres waren wir für zwei Shows da. Im Herbst geht’s dann noch was weiter, nach Norwegen. Was noch Neues?

Boss: Wir fangen jetzt grad an, ein bisschen Akquise zu machen, sind in Kanada ein bisschen am promoten, es gibt ein paar Radiosender die uns spielen. Da gucken wir mal, dass wir da im nächsten Frühjahr ein paar Shows machen.

Nochmal zurück zu den anderen Bands, die manche von euch noch haben. Die waren ja im Prinzip zuerst da. Was haben die denn jetzt noch für einen Stellenwert für euch? Ist da überhaupt noch Zeit für da?

Boss: Der Stellenwert ist schon derselbe wie immer. Jeder von uns mag die Bands, die er vorher hatte, natürlich immer noch und klebt mit dem Herz dran. Aber wie du schon sagst, die Zeit ist momentan nicht da, dass die da irgendwie eine Entsprechung finden können. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben - und von daher wird’s da auf jeden Fall wieder was geben. Wir müssen halt mal gucken, das ist eben immer sehr schwer zu sagen, es läuft halt grade sehr gut mit BossHoss, und es ist halt sehr arbeitsintensiv. Die anderen Sachen sind nicht aufgegeben und werden erstmal gehalten, mal sehen was da passieren kann.

Wie steht ihr zu Downloads?

Boss: Relativ unemotional, also ist mir eigentlich wurscht…

Hoss: Illegale Downloads, oder?

The BossHossJa, richtig.

Boss: Macht halt jeder, hab ich auch schon gemacht…

Hoss: Wenn man jetzt auch so im Business ein bisschen mitschwimmt… Man will natürlich auch die eigene Platte verkaufen. Es ist natürlich schon ärgerlich, wenn man sich vorstellt… Also nicht ärgerlich, wir sind total glücklich, wir haben vom ersten Album über 100.000 Platten verkauft, das ist natürlich sensationell. Aber wenn du dir überlegst, dass mindestens nochmal so viele schwarz im Umlauf sind… Natürlich gut für uns bekanntheitsmäßig, aber nachdem wir jetzt auch alle davon leben, verdienen wir halt daran nix.

Boss: Da man’s aber eh nicht ändern kann, muss man sich da auch nicht ärgern, sondern guckt, dass man die Leute anders wieder dazu kriegt. Ich mein, es geht ja nicht nur darum, ne Platte zu verkaufen und dann freut man sich und denkt sich „Super, jetzt ist’s mir egal“. Das hat man viel vermisst in den letzten 10-15 Jahren, dass man halt wieder Bock hat, sich mit ner Band zu identifizieren, das man da auch hingeht, das man wirklicher Fan ist und die …

Hoss: … Band unterstützen will…

Boss: Kauf ich mir ne CD, geh ins Konzert oder kauf ich mir auch ein T-Shirt? Klar kann ich mir mein T-Shirt auch selbst im Copyshop machen, kostet auch Geld und ist dann quasi auch illegal, aber über den Daumen lohnt das dann auch wieder.

Da muss man halt mehr hin, dann fällt das gar nicht so sehr ins Gewicht, zumindest beschäftigt uns das auch gar nicht so sehr.

Es ist ja irgendwie auch klar, dass wenn man Sachen umsonst total easy bekommen kann, dass man es dann auch macht und da denkt man auch nicht drüber nach. Und wenn man sich auch mal nen Song von BossHoss holt, weil man mal wissen will wie die klingen, dann find ich das auch in Ordnung. Aber cool ist dann auch, wenn man es schafft, den Leuten so viel Spass zu machen, dass die sagen „Jetzt hol ich mir die Platte, weil das nervt mich jetzt hier weil mir da jetzt irgendwie Song 7 fehlt, Song 8 krieg ich nicht und überhaupt stimmt die Reihenfolge nicht“.

Hoss: Da wurde auch viel von der Industrie kaputt gemacht in den letzten Jahren. Die haben ein bisschen gepennt. Es ist auch so viel Schrott im Umlauf, auf dem Markt zumindest in Deutschland, da kann man das ja am besten beurteilen, da kann man es den Leuten auch nicht so übel nehmen, wenn sie sich nur mal nen Song ziehen… Boss: Die haben ja auch selbst dazu beigetragen, dass Bands ne Halbwertszeit haben von nicht mehr als nem Jahr, da wird doch eins nach dem anderen rausgeschmissen.

Vielleicht zum Schluss nochmal zum Covern zurück. Ihr habt ja auf der neuen Platte quasi schon die Bandbreite, wo eure Vorlagen herkommen, erweitert. Könnt ihr euch vorstellen, dass ihr euch vielleicht mal wo bedient, was man sich jetzt vielleicht gar nicht so vorstellen kann, also ganz andere Musikrichtungen?

Boss: Sachen, die wir uns selber noch gar nicht vorstellen können, vielleicht? (lacht)

…Ja, Schlager vielleicht, oder…

Hoss: Nee, deutschsprachig machen wir nicht. Es muss uns schon gefallen. Wenn wir nen Song covern, dann muss der schon zumindest im Ursprung so sein, dass wir sagen „Der ist geil, lass uns den mal noch besser machen“. Also alles würden wir auch nicht machen. Und wie gesagt, jetzt haben wir grade im Mai das Album rausgebracht, das nächste steht an Mitte nächsten Jahres, vielleicht auch Herbst, September so, und da machen wir uns jetzt noch nicht so nen großen Kopf, außer dass wir jetzt vielleicht ¾ eigene Sachen machen wollen, weniger Coverversionen. Wir machen uns jetzt eher Gedanken um neue Songs und die Richtung, die wir jetzt einschlagen, als zu covern. Da ist jetzt auch noch ne Menge Zeit und da gucken wir mal was passiert

Vielen Dank!

Hoss: He, gerne!

Website: www.thebosshoss.com

von Manuela Schon | 04.09.2006

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