Interviews
Exilia

Da sollte sich mal unser feiner GasWasserShit-Installateur ein Beispiel dran nehmen! Pünktlich wie das vielzitierte deutsche Handwerk klingelt die freundliche Dame von der Plattenfirma mit dem nützlichen Hinweis, dass Sie mich jetzt mit Masha von Exilia verbinden werde. Ich gebe zu, dass ich mit diesem spektakulären Timing nicht gerechnet habe, reagiere aber hochprofessionell, indem ich meine prallvoll mit Grafenwalder Premiumpils gefüllten Einkaufstüten am Straßenrand abstelle und einen Blumenkübel zur Sitzgelegenheit erkläre. Masha hat im Gegensatz zu ihren Vocals eine verblüffend zarte Telefonstimme und ist ebenso wie ich bestens aufgelegt.
Zunächst erst mal der obligatorische, aber von Herzen kommende Glückwunsch zu Nobody Excluded. Ein fettes, rundes Teil.
Masha: Vielen Dank. Dir gefällt es also?
Soll man schwindeln? Nein im Ernst. Ganz klar ein großer Schritt und würdiger Nachfolger für Euren erfolgreichen Erstling.
Masha: Dieser Schritt nach vorn sollte es auch sein. Wir haben viel Energie und Herzblut in das Album gesteckt und vor allem ein Ziel: Uns weiter zu entwickeln aber auch treu zu bleiben. Und die Scheibe sollte noch abwechslungsreicher als Unleashed werden. Wir haben viel ausprobiert, geschrieben, wieder verworfen und weiterentwickelt, um wirklich die besten Songs für das bestmögliche Album zusammenzustellen.
Was gelungen ist. Besonders fallen die emotionalen, ruhigeren Songs auf, bei denen Du eine ganz neue Seite präsentierst. Welchen Einfluss hatte Udo Rinklin als Produzent auf Eure Arbeit?
Masha: Udo ist ein phänomenaler Produzent, der wie ein Musiker denkt. Mehr noch, er denkt wie DU als Musiker, Du verstehst? Er kann sich absolut in Dich hineinversetzen, aber auch positiv beeinflussen. Udo hat sich bereits vor der eigentlichen Arbeit im Studio sehr stark mit uns und unseren Vorstellungen beschäftigt und viele Sachen ausprobiert, bis das Ergebnis wirklich für alle optimal war. Bisher war ich hauptsächlich auf Shouting reduziert. Diesmal kann ich noch viel mehr zeigen, meine Stimme in allen Facetten präsentieren, was auch ein großer Verdienst von Udo ist.
Wenn man Euer Info, die Homepage oder andere Interviews aufmerksam liest, fällt von Euch immer wieder der Begriff authentisch. Was bedeutet das für Euch?
Masha: Uns so zu präsentieren, wie wir wirklich sind. Da ist nicht nur eine Frage des Sounds, also einer eigenen akustischen Identität. Das, was wir auf unseren Platten, auf der Bühne und abseits davon darstellen, sind wirklich wir. Und um beim Album zu bleiben, glaube ich, dass Nobody Excluded uns hier und heute widerspiegelt. Es ist ein hartes, direktes Album mit klaren Aussagen, aber auch mit neuen, sanfteren Tönen. Wir haben uns nicht hingesetzt mit dem Ziel, unbedingt eine Ballade zu schreiben. Sie ist entstanden und fügt sich nahtlos in das Album ein. Sie ist somit authentisch und ein Teil von uns.
In Deutschland kennt man Euch besonders noch vom hocherfolgreichen Soundtrack sowohl zu Serie Der Clown als auch dem gleichnamigen Kinofilm, der Euch letztendlich in die Charts katapultiert hat. Sind ähnliche Projekte wieder geplant?
Masha: Nein. In diese Richtung planen wir derzeit nicht. Wir freuen uns erst mal, ein für unser Empfinden großartiges Album am Start zu haben und werden auf Tour gehen. Zunächst gibt es die Promotour und ab September geht es durch Deutschland, Österreich, die Schweiz und Italien. Gleichwohl hat uns dieser Soundtrack damals einen gewaltigen Schub gegeben. Und wer weiß…
Seid Ihr im Herbst als Support unterwegs wie damals für Rammstein oder als Headliner?
Masha: Diesmal als Headliner durch die größeren Clubs. Obwohl die Tour mit Rammstein gerade hier bei Euch in Deutschland gigantisch war.
Wie ist denn bei Dir in Mailand gerade das Wetter? Ich gehe hier voll am Stock.
Masha: Ich bin nicht in Mailand. Ich sitze hier gerade im Ruhrgebiet. Aber da ist es auch heiß.
Ähm…ja. Trotzdem ein kurzer Ausflug nach Italien. Welchen Stand hat Eure Art von Musik dort momentan? Ich weiß, dass gerade Italien ein sehr schwerer Markt für die härtere Gangart ist und eher von Disco, Dance, Schmusebums und solchen Sachen dominiert wird.
Masha: Absolut richtig. Da hat sich leider immer noch nicht viel geändert. Rockmusik hat es furchtbar schwer in Italien. Die Leute ignorieren Dich zum Teil völlig und können überhaupt nicht wechseln, was wir da machen. Die Szene ist wirklich sehr klein. Im Radio findet sie faktisch überhaupt nicht statt. Wir haben uns hier jeden Fan einzeln erspielt, was zum Glück schon eine Menge ist. Ich hoffe, das ist bei Euch besser.
Ich denke schon. Die meisten Radiosender spielen bei uns zwar auch nur Bullshit, aber solange beispielsweise zum Vainstream-Rockfest gut 6.000 Leute kommen um Bands wie Bullet For My Valentine, Darkest Hour oder Caliban zu sehen, ist unsere Welt noch in Ordnung.
Masha: Dann können wir uns ja schon freuen.
Auf jeden Fall. Masha, der eine oder andere weiß, dass Du eine sehr engagierte Frau bist. Nicht nur in Deinen Texten, sondern auch als Menschenrechtsaktivistin. Erzähl uns ein wenig von Deinen Aktivitäten außerhalb der Band.
Masha: Na, so ganz außerhalb der Band ist es eigentlich nicht. Vielmehr bietet mir die Band eine gute Plattform, meine Stimme zu erheben. Schau Dir das Video zu Kill Me an. Das ist keine pauschale Anklage der Vereinigten Staaten. Vielmehr geht es um jegliche Form der Menschenverachtung. Folter, Krieg, Anschläge. Darüber hinaus bin ich seit Jahren für Amnesty International aktiv, weil mir wichtig ist, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Solange es noch zum Beispiel Plätze auf der Welt gibt, an denen Frauen schlechter als Tiere behandelt werden, solange muss man kämpfen. Amnesty macht dort einen hervorragenden Job und ich versuche sie, so gut ich kann, zu unterstützen. Wir sind nur ein winziger Teil des ganzen, aber darauf kommt es an. Nur zusehen und alles anprangern ist zu wenig. Jeder sollte für irgend etwas einstehen, für irgend etwas kämpfen. Sonst tut sich einfach nichts auf dieser Welt. Zumindest nicht zum positiven hin. Abwärts geht es normalerweise von alleine. Vorwärts, nach oben brauchst Du Engagement.
Ein tolles Statement, das ich gern verbreiten werde. Euch viel Glück, einen Platz in den TopTen und eine gute Zeit in Deutschland. Verrätst Du mir zum Schluss Deine Lieblingssongs vom Album?
Masha: Oh, das wechselt ständig. Natürlich hängt ein Musikerherz an jedem eigenen Song.Aber ich lege mich mal zumindest für heute fest: Your Rain, Fligh High Butterfly und natürlich Kill Me.
Vielen Dank. (…und „Gruß nach Mailand“ wollte ich fast noch sagen, aber sie ist ja im Ruhrgebiet. Neee……)
von Andreas Puchebuhr | 01.08.2006 | Kommentare (0) | Kommentar schreiben
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