Interviews
Thrice
„Weissu was „Vheissu“ heißt?“ So titelte am 27.04.2006 das Hamburger Abendblatt in seinem Kultur-Teil „Hamburg Live“. Eine Antwort gab es in dem nachfolgenden Bericht jedoch nicht. Zu mannigfaltig sind die Auslegungsmöglichkeiten. Dafür aber den Termin: Thrice live am 03.05.2006 im Hamburger Grünspan. Da konnten wir es uns nicht nehmen lassen, dem Gitarristen Teppei Teranishi vor dem Konzert ein paar Fragen zu stellen. Der erschien mit einer Hand voll Keksen und bester Laune. Eine Antwort auf die Frage bekamen wir zwar auch nicht, das mag aber daran gelegen haben, dass wir die Frage nicht stellten…
Ihr solltet ja eigentlich als Vorband von Coheed & Cambria im Januar hier spielen…
Teppei: Das war wirklich toll. Aber Claudio, der Sänger, hat sich seinen Arm gebrochen und die Tour wurde abgebrochen.
Gab es eine Auszeit? Wie habt ihr die verbracht?
Teppei: Nein, wir waren auf einer anderen Tour in Amerika. Das war eine große Sache. Deftones waren die Headliner, wir die Co-Headliner. Andere Bands wie As I lay dying, Atreyu, Story of the year und Thursday waren mit dabei.
Jetzt seid ihr die Headliner. Wie ist das?
Teppei: Es ist schön. Es ist schön in Clubs zu spielen. Die Tour vorher war recht groß, weil ja so viele Bands gespielt haben. Also waren wir jeden Abend in großen Arenen. Das ist auch schön. Aber es ist schön, wieder in den kleineren Clubs zu sein.
Wenn meine Recherchen stimmen, seid ihr das 3. Mal in Deutschland?
Teppei: Lass mal überlegen. Wir haben die Deconstruction und Reconstruction Tour gemacht, wir waren aber auch schon alleine hier. Es müsste also unser viertes Mal in Deutschland sein.
Vainstream: Ward ihr auch schon in Hamburg?
Teppei: Ja, auf unserer letzten Europa-Tour waren wir auch in Hamburg. Das war vor zwei Jahren.
Wie findet ihr eure Hamburger Fans oder generell die Fans in Deutschland?

Teppei: Die deutschen Fans sind klasse. In Europa generell. Das liegt vielleicht daran, dass amerikanische Bands hier nicht so oft spielen. Die Fans sind viel begeisterter. Das macht riesen Spaß und es ist immer viel entspannter.
Warum ich frage: Die Leute sagen, dass die Hamburger ein schweres Publikum seien, schwer zu begeistern, weil wir die „Kühlen aus dem Norden“ sind. Man sagt uns nach, wir wüssten nicht, wie man feiert.
Teppei (lacht): Nein, also das kann ich nicht bestätigen.
Worauf kann ich mich heute Abend freuen, auf ein eher ruhiges Konzert oder wird´s richtig losgehen?
Teppei: Wir spielen natürlich eine Menge von dem neuen Album. Deshalb sind wir ja da. Wir mögen die neuen Songs auch wirklich sehr. Aber die Fans mögen natürlich auch die alten Sachen und daher gibt’s auch davon einiges.
Ich spreche da natürlich auf euer neues Album an. Das war ja schon etwas ganz anderes, als eure Fans vermutlich erwartet hatten. Wie kam es dazu?
Teppei: Ich glaube, das war der natürliche Entwicklungsprozess der Band. Als wir anfingen, Songs zu schreiben, haben wir uns stark an den anderen orientiert. Das, was andere hören wollten, haben wir geschrieben. Jetzt sind wir soweit, dass wir das machen wollten, was uns gefällt.
Habt ihr den Eindruck, eure Fans haben euch das neue Album übel genommen?
Teppei: Nein. Ich glaube, dass das neue Album durchaus auch seine härteren Momente hat. Aber diese harten Seiten hatten wir schon. Warum sollten wir also das gleiche noch mal machen? Wenn die Leute etwas härteres wollen, also Metal oder Ähnliches, gibt es hunderte von anderen Bands, die diese Musik bieten. Und wir haben ja auch noch die alten Songs, die wir immer spielen werden.
Man hat das Gefühl, dass die Musik erwachsener geworden ist. Spiegelt sich das auch in den Texten wieder, sind sie tiefsinniger geworden im Gegensatz zu früher?
Teppei: Ich würde sagen, dass die Texte im Gegensatz zu früher hoffnungsvoller und positiver geworden sind. Wenn du das als erwachsener bezeichnen möchtest…
Wie ist das überhaupt mit Songs. Wie entstehen die bei euch?
Teppei: Am meisten sammeln wir Riffs und Songparts, wenn wir auf Tour sind. Wenn wir dann wieder zu Hause sind, setzen wir uns zusammen und spielen und setzen die Sachen so aneinander. Jeder bringt also ein bisschen was von sich mit in die Musik ein.
Ich hab gelesen, dass ihr auf dem neuen Album viel mit Dingen experimentiert habt. So soll z.B. ein Morse Code als Schlagzeugrythmus umgewandelt worden sein…
Teppei: Ja, das stimmt. Wir hatten schon immer die Idee, einen Morse Code in die Musik zu transformieren.
Warum?
Teppei: Weil wir fanden, dass es eine eigene Art Rhythmus hat und interessant sein könnte.
Ihr habt aber auch andere Instrumente benutzt…
Teppei: Ja, es wird viel Klavier gespielt, aber wir nutzen auch Synthesizer und sogar eine Hamond Orgel. Wir haben insgesamt mehr technische Dinge in die Songs eingearbeitet.
Habt ihr schon eine Ahnung, in welche Richtung es musikalisch mit euch weiter gehen wird?
Teppei: Nein, nicht wirklich. Vielleicht wird das neue Album wieder etwas ganz anderes. Frag’ mich aber nicht wie. Unsere Musikgeschmäcker ändern sich ständig und weiten sich aus. Und das beeinflusst natürlich auch unsere Musik.
Etwas ganz anderes, sehr wichtiges, wie ich finde: ihr unterstützt mit Teilen der Einnahmen aus den Verkäufen wohltätige Organisationen. Wie seid ihr auf diese prima Idee gekommen?
Teppei: Das erste Platten Label, das uns unter Vertrag genommen hatte, war SubCity Records. Das ist so eine Art Charity Label. Jeder Band, die unter Vertrag ist, gibt bei diesem Label einen Teil der Einnahmen an ein Projekt ihrer Wahl. Diese Idee fanden wir super. Und als wir dann jetzt zu Island Records wechselten, wollten wir das weiter machen, also machten wir es zu einem Vertragsbestandteil. Das fanden die Bosse da so prima, dass sie gleich mit aufnahmen, das sie auch selbst einen Teil extra geben.
Vheissu unterstützt welches Projekt?
Teppei: Ein Projekt, das Kinder unterstützt und ihnen dort Literatur näher bringt. Sie lernen dort beispielsweise Lesen und Schreiben oder bekommen allgemein Nachhilfe. Es gibt Kurse und Workshops nach der Schule, in denen die Kinder unter anderem kreatives Schreiben lernen können.
Ihr befindet euch da ja in bester Gesellschaft. Mitte der 90er Jahre haben Downset mal hier in Hamburg Konservendosen auf einem Konzert verkauft, um mit dem Erlös Obdachlose in Amerika zu unterstützen. Könntet ihr euch solch eine Aktion auch für euch vorstellen?
Teppei: Ja, wir haben in der Vergangenheit auch viele ähnliche Sachen gemacht. Mit dem Album davor haben wir ein Projekt unterstützt, dass sich mit dem Brustkrebs bei Frauen beschäftigt. Und für dieses Projekt sind wir losgegangen und haben Geld gesammelt, unter anderem auch mit unseren Fans zusammen.
Vielen Dank, dass du für mich Zeit hattest!
von Alexandra von Schiefner | 29.05.2006 | Kommentare (0) | Kommentar schreiben
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