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The Doits Interview

The DoitsWer zu spät kommt, dem wächst eine grausige rosa Warze auf der Nase und alle zeigen mit dem Finger drauf. Noch blöder wird das ganze, wenn der, den man treffen wollte, keinen Bock hatte, ewig zu warten. Da kann man noch so tolle Gründe wie Kollision mit einem T-Rex oder versuchte Vergewaltigung durch Jenna Jameson auf Lager haben, es nützt nichts. Natürlich ist in solchen Fällen auch IMMER der Akku vom Handy leer. Wie gut, dass es noch echte Hirnträger und -nutzer wie Altay von den Doits gibt. Mit dem bin, bzw. war ich zum Interview verabredet. Grund genug zum Reden gibt es, denn The Doits aus Schweden haben mit ihrem aktuellen Album „Lost, Lonely & Vicious“ nicht nur die Gunst des Verfassers errungen. Altay hat tatsächlich ein ausgeklügeltes System zum Zusammenführen aneinander vorbeistreunender Interviewpartner entwickelt, dem es zu verdanken ist, dass wir uns letztendlich doch noch in einem kuscheligen Düsseldorfer Hotel zum Frage-Antwort-Spiel treffen. Mit von der Partie ist darüber hinaus sein Gitarrenkollege Anders Göransson, mit dem er sich während der Tour das Zimmer teilt. Altay besorgt als vorbildlicher Gastgeber noch ein paar Bier und nach kurzer Aufwärmphase ist knallharter Journalismus angesagt.

Wusstet Ihr, dass ich ein schwedisches Auto fahre?

Altay: Nein.

Anders: Super. Volvo?

Nein. Einen Saab. Schwarz und zerbeult. Doch zunächst Glückwunsch zum Album. Lost, Lonely & Vicious hat mehr als gefallen. Wie zufrieden seid Ihr mit dem Ergebnis?

Altay: Wir sind absolut happy. Es war eine Wahnsinnszeit im Studio und irgendwie ging diesmal alles viel schneller und direkter als beim letzten Album. Wir haben ja bei Christoffer Lundquist im schwedischen Nirgendwo produziert. Der wohnt quasi mitten in der Wildnis und hat neben seinem Wohnhaus das Studio.

Wie lange wart Ihr bei ihm?

Anders: Ungefähr eine Woche zum Einspielen und dann, nach einer Pause, noch mal eine Woche zum Mixen.

Altay: Christoffer hat in den Neunzigern ein paar große Popsachen produziert und herrlich altmodisches Zeug rumstehen. Er arbeitet zum Beispiel noch völlig konventionell mit Kassettendecks.

Das passt zu einem der wesentlichen Dinge, die mir an Eurem Album aufgefallen sind. Es klingt angenehm old fashioned und sehr warm. Und im positiven Sinne poppig.

Altay: Genau das ist es. Ich weiss auch nicht, warum der Begriff Pop nach wie vor in gewissen Kreisen verpönt ist. Pop ist populär, ist angesagt.Nimm die Stones. Die Stones sind Pop. Nicht mehr und nicht weniger. Wirkönnen mit dem Etikett Pop sehr gut leben und sind überzeugt, den einen oder anderen wirklich guten Popsong geschrieben zu haben.

Auf jeden Fall. Teilweise habt Ihr mich an World Party oder die frühen Dire Straits, zumindest vom Feeling der Songs her, erinnert. Statt dessen werde ich immer mit Vergleichen zu den Hellacopters konfrontiert.

Anders: Die Hellacopters sind wirklich gute Freunde von uns und manch einer bringt uns wahrscheinlich noch mit unserer Rolle als deren Support auf der 2005er Tour in Verbindung. Ich denke, die Einflüsse sind schon vergleichbar, aber wir haben mittlerweile einen eigenen Stil entwickelt.

Altay: Den hat Christoffer vor allem bei der Produktion aus uns rausgekitzelt. So hat er zum Beispiel darauf bestanden, dass ich den Gesang gleich mit der Band und meiner Gitarre einspiele. Anfangs hatte ich da so meine Zweifel, aber dann hat Christoffer die richtigen Fragen gestellt: `Was hört ihr privat für Zeug? Klingen eure Helden perfekt?` Und weil wir alle auf ziemlich alten Kram stehen, mussten wir zugeben, dass damals auch nicht jeder Ton gesessen hat, was dem ganzen aber eine unverwechselbare Note gibt. Deswegen ging diesmal auch alles viel, viel schneller als geplant. Und das analoge Equipment hat dem Ganzen dann den Rest gegeben. Christoffer braucht keine Computer. Ich glaube, ein paar von den Decks waren schon bei Abba im Einsatz. Darüber hinaus hat er uns ein paar wirklich ziemlich abgestandene Halbakkustik-Klampfen in die Hände gedrückt, die diesen warmen, schrammeligen Sound verursachen.

The Doits Großartig. Das macht auch beim Hören gute Laune. Wie ist die Situation bei Euch in Schweden. Habt Ihr die leise Hoffnung, mit dem einen oder anderen Song der Scheibe Airplay zubekommen? Die deutschen Radiosender sind in dieser Hinsicht ja eher konservativ…

Altay: Mag sein. Wir planen das nicht. Aber ich gebe zu, dass wir mit unserer ersten Singleauskopplung vom Album bewusst einen ruhigeren Titel gewählt haben, der es durchaus schaffen könnte. In Schweden könnte da schon was gehen. Vielleicht sind wir ja schon in den Charts, wenn wir zurückkommen…

In Eurem Info erfährt man, dass einer der Pluspunkte von Anders ist, von der richtigen Seite des Flusses Dale zu stammen. Was ist das Problem an der falschen Seite?

Altay: Das ist Dänemark! Der Fluss Dale teilt Schweden in Schweden und den hässlichen Rest von Schweden, der somit quasi schon Dänemark ist. Wer von da kommt, hätte es schwer, bei uns mitmachen zu dürfen. Anders hatte ganz knapp Glück. Wo mein Bruder (der Bassist der Doits d.Red.) und ich wohnen, ist es o.k. Man trifft coole Leute. Es ist z.B. kein Ding, am Wochenende mit Pelle von den Hives in irgendeiner schäbigen Kneipe Bier zu trinken. Im Übrigen ist Pelle ein sehr bodenständiger Typ, der mit der Tatsache, in der besten Band der Welt zu spielen, ganz gut umgehen kann.

Anders: Es gibt bei uns tatsächlich so etwas wie eine Szene. Und die kannst Du ganz klar in Regionen filetieren. Da gibt es die Hammerfall-Ecke, uns, die Hellacopters, The Hives oder den ganzen Electronic-Kram, der in Schweden gerade ganz groß angesagt ist. Oder zum Beispiel die Backyard Babies.

Die übrigens auf unserem Vainstream Rockfest spielen….

Altay: Oh, liebe Grüße von uns. Großartige Jungs und ebenfalls sehr gute Freunde…

Eine andere Frage im Bezug auf Schweden. Ich lese als verblüffter Kosmopolit, dass Euer WM-Star Fred Ljungberg momentan ziemliche Probleme mit nackten Tatsachen hat. Andererseits weiß ich aber, dass Pornos in Schweden schon ab 15 frei zugänglich und erhältlich sind. Wie passt das bitteschön zusammen?

Anders: Wie? Was ist denn mit Ljungberg los?

Altay: Na der ist doch fast nackig auf diesen riesigen Werbeplakaten, wo er sich mit einem lecker Modell im Bett rumräkelt. Das hat in der Tat ziemliche Wellen geschlagen. Ich glaube hauptsächlich in Stockholm. Die Plakate sind aber auch wirklich sehr, sehr groß. Aber wie Du schon sagst, das passt natürlich überhaupt nicht ins Bild des liberalen Schweden, gerade wo wir das Land sind, das am lockersten mit Pornographie umgeht. Ich glaube, das einzige, was Du mit fünfzehn noch nicht darfst, ist selber mitspielen.

Wie geht man als Schwede mit der Situation um, bei der WM ausgerechnet auf England mit Eurem Sven Göran Ericsson als Trainer zu treffen?

Anders: Kein Problem. Erstens haut er da ja bald ab. Und zweitens gewinnt auf den großen Turnieren immer Schweden, wenn es gegen England geht. Insofern hätte uns gar nichts besseres passieren können.

Zurück zu den Helden des Tages, also Euch. Dies hier ist ja eine relativ kurze Tour. Was steht dieses Jahr noch an?

Altay: Also wir sind derzeit ja nur auf einer kurzen Promotour durch Deutschland. Gestern waren wir in Osnabrück, was ein guter Gig war. Morgen geht es nach Eisenach. Wir haben auch vom letzten Album ganz gut in Deutschland verkauft. Daher zunächst die Stippvisite bei Euch. Im Sommer wird noch das eine oder andere Festival anstehen und im Herbst geht es wahrscheinlich durch die europäischen Clubs. Aber da sind wir noch in der Planung.

The Doits Ich habe gelesen, dass Du, Altay, ein heiß begehrter Kandidat für die türkische Armee bist.

Altay: Oh, Mann. Du weißt ja alles! Stimmt. Das ist eine völlig bescheuerte Geschichte. Die scheinen echt jeden zu brauchen. Tatsache ist, dass mein Vater Türke ist. Ich bin aber Schwede und habe noch nicht mal einen türkischen Pass. Das ist denen aber offensichtlich scheißegal. Und so krieg ich dauernd Briefe oder Anrufe, mich doch bitte zu melden. Also Fakt ist, dass die mich nie kriegen. Ein Schwede in der türkischen Armee… Ich muss nur im Urlaub aufpassen.

Was hört man bei Euch in Schweden so an deutschen Bands?

Anders: Rammstein. Ganz klar. Dann diese Technotypen mit dem blonden Schreier.

Altay: Scoootaaaa…

Anders: Genau. Und jede Menge deutsche Punkacts, von denen ich mir nie die Namen merke.

Wenn Ihr eine Message habt, wäre das jetzt der richtige Zeitpunkt…

Altay: Ja, gut. Also eine echte Message haben wir eigentlich nicht. Eher einen Aufruf: Habt Spaß, genießt das Leben und bleibt Euch treu.

Anders: Genau. Prost.

Prost und vielen Dank für das Gespräch.

von Andreas Puchebuhr | 17.05.2006 | Kommentare (0) | Kommentar schreiben

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