Interviews

Dark Fortress - Black Metal aus Deutschland

Wir hatten die Gelegenheit, mit V Santura von Dark Fortress ein EMail-Interview zu führen. Er hat uns Fragen zur neuen CD „Séance“ beantwortet und auch etwas zu seiner allgemeinen Einstellung zum Black Metal gesagt.

Ihr seid vor kurzem von Century Media unter Vertrag genommen worden. Was war der Grund für die Labelsuche? Hattet Ihr bei Black Attakk das Gefühl, nicht mehr weiterzukommen? Oder gab es andere Gründe?

Etwa vor einem Jahr wurde uns klar, dass wir von Black Attakk wegwollten. Wir haben uns damals überhaupt nicht erwartet bei einem Label wie Century Media unterzukommen, bzw. bei einer Plattenfirma, die unbedingt „größer“ ist als Black Attakk. Eigentlich haben uns BA in ihrem Rahmen zunächst ganz gut promoted, zumindest im deutschsprachigem Raum, und da wir mit „Stab Wounds“ musikalisch einen riesigen Schritt nach vorne gemacht haben, bekamen wir natürlich einen gewissen Popularitätsschub. Das Problem war, dass wir aus diversen Gründen kein richtiges Vertrauensverhältnis mehr zu BA hatten, und deswegen die Zusammenarbeit unbedingt beenden wollten. Ich will aber öffentlich keine weitere schmutzige Wäsche waschen.

Euer neues Album erscheint gegen Ende Januar. Was haben wir zu erwarten? Werdet Ihr an den Erfolg von „Stab Wounds“ anknüpfen oder probiert Ihr etwas neues?

„Séance“ ist natürlich kein „Stab Wounds 2“. Wir gehören bestimmt nicht zu jenen Bands, die irgendwann die „formula that sells“ finden, und dann fünfmal dasselbe Album machen. Ich denke, dass „Stab Wounds“ ein sehr starkes Album war, aber die ganze Sache hat sich zumindest musikalisch gesehen in einem engen Rahmen abgespielt, was nicht bedeutet, dass „Stab Wounds“ langweilig oder nicht abwechslungsreich gewesen wäre. Ganz im Gegenteil. Aber nochmals den selben Schemen zu folgen wäre für uns langweilig geworden. Ich denke überhaupt, dass „Séance“ viel eigenständiger und origineller ist. Wir brechen mit diversen Konventionen und Genregrenzen, benutzten einige fremde Elemente, sind aber nach wie vor unseren Wurzeln treu, die sicherlich im skandinavischen Black Metal der frühen 90er liegen. Nur bereichern wir diese eben mit ziemlich abgefuckten und kranken Elementen in einer Art und Weise, wie wir es zuvor nicht gemacht haben. Insofern kann man einige Überraschungen auf „Séance“ gegenüber „Stab Wounds“ erwarten, was aber nicht heißen soll, dass wir „Stilbruch“ begangen hätten. „Séance“ ist generell finsterer und mystischer.

Was erhofft Ihr Euch von „Séance“?

Eigentlich ist „Séance“ musikalisch gesehen ein ziemlich unkommerzielles Album, zumindest sind wir überhaupt nicht auf Nummer Sicher gegangen, sondern haben wirklich einige Dinge gewagt, die manche Leute vor den Kopf stoßen könnten. Vielleicht wird uns das zum Verhängnis oder aber es ist genau unsere große Chance, nämlich dass wir mittlerweile unseren völlig eigenen Stil besitzen und somit nicht austauschbar sind.

Wir sind auf alle Fälle sehr gespannt wie sich die Dinge 2006 entwickeln, aber mit einem international arbeitendem Label wie CM im Rücken erhoffen wir uns natürlich schon, dass wir auch vor allem im Ausland einen großen Schritt nach vorne kommen und das Album erstmalig standesgemäß mit einer vernünftigen Tour promoten können.

In welchem Stadium ist die Produktion der neuen Scheibe?

Komplett fertig.

Was fällt Euch zu folgenden Schlagworten ein:

a) Black Metal ist Krieg

Black Metal ist Musik, die von ihrer Natur negativ und zerstörerisch ist. Dennoch gehen mir solche hohlen Phrasen auf den Sack.

b) rechte Tendenz im BM

Lächerlich. Wer Faschismus und Black Metal miteinander „kombiniert“ hat einfach überhaupt nichts kapiert. Wie passt das denn bitte zusammen, Individualismus und freien Willen zu propagieren und gleichzeitig wie ein Schaf irgendwelchen braunen Parolen brüllenden Herdentieren nachzurennen?

Black Metal hat einfach überhaupt nichts mit Politik zu tun PUNKT

c) Satanismus

Individualismus ist nicht gleich Satanismus. Satanismus ist anscheinend ziemlich Interpretationssache. Wirklich ernsthafte praktizierende Satanisten sind reichlich dünn gesät, und wir haben nie behauptet, dazu zu gehören. Unsere Lyrics, vor allem auf „Séance“, sind zwar voll von dunkler und okkulter Spiritualität, aber nicht „satanisch“.

d) Corpse Paint

Corpse Paint ist fester Bestandteil der optischen Präsentation von Dark Fortress. Wir versuchen mit unserer Musik ein Gesamtkunstwerk zu schaffen. Die Musik vertont die in den Lyrics thematisierten Emotionen, genauso ist das Corpse Paint Teil der Visualisierung eben jener Stimmungen.

Wenn man auf der Bühne auf musikalischem Wege seine sämtlichen Dämonen entfesselt macht es auch Sinn, dies visuell zu unterstützen.

Was ist der Hauptgrund für Euch Musik und im Speziellen Black Metal zu machen?

Musik ist einfach meine Passion und ich muss Musik machen um nicht verrückt zu werden, das heißt auch nicht, dass ich ausschließlich Black Metal mache. Man kann aber mit kaum einer anderen Musikrichtung Emotionen entfachen und kanalisieren, die so extrem, krass, verfault und düster sind wie mit Black Metal, und das ist zumindest für mich eine der Hauptmotivationen.

Welche Ereignisse oder Personen/Bands haben Euch am meisten beeinflusst?

Die Frage kann ich nur für mich persönlich beantworten, für mich gab es zumindest kein spezielles Ereignis, das mich zu dieser Art der Musik gebracht hat. Die Bands, die mich persönlich am meisten beeinflusst haben dürften unter anderem Emperor, Slayer, Satyricon, Thorns etc. sein.

Geht es nach Erscheinen der neuen Platte sofort auf Tour?

Mit viel Glück könnte ich Dir da in ein paar Tagen schon eine definitive Ansage machen. Die Planungen laufen, es hängt aber leider noch von einigen unsicheren Faktoren ab.

Welches Equipment benutzt Ihr im Studio?

Diverses Zeug. Unser Drummer benutzt sein eigenes Schlagzeug, was live selten aus logistischen Gründen klappt. Wen es genau interessiert, was er für ein Set spielt, kann das auf unserer Home Page nachlesen. Dieses mal haben wir für die Gitarrenaufnahmen extra Amps ausgeliehen, nämlich einen Engl Powerball mit Laney-Box und einen Mesa Dual Rectifier mit Standard Mesa Box. Die genauen Bezeichnungen weiß ich nie auswendig…

Asvargr spielt eine Jackson Randy Rhoads und ich eine Custom Warlock von B.C. Rich, diesesmal im Studio mit DiMarzio X2N Pickups. Die klingen ziemlich böse, sind aber nicht unbedingt der Bringer für Cleansounds. Bass haben wir dieses mal abmikrofoniert und ohne DI Signal gearbeitet was ziemlich gut geklappt hat. Draug spielt einen Rickenbacker Bass und ein Trace Elliot RAH 500-12 Topteil mit 4x10 Cabinet.

Natürlich edle Mikros, für Gesang hatten wir einen geilen analogen PreAmp usw. Die ganzen Recordings und den Mix hab ich übrigens auf Nuendo 3 gemacht, wen’s interessiert…

Womit bringt Ihr den Sound auf die Bühne? Nutzt Ihr die gleiche Ausstattung oder unterscheidet sie sich von Eurer Studioausrüstung?

Wir benutzten live nicht dasselbe oder nur teilweise dasselbe Equipment wie auf dem Album. Unser Drummer muss sowieso immer mit dem vor Ort gestellten Drumset vorlieb nehmen. Sonst benutzten wir natürlich unsere eigenen Instrumente. Asvargr und ich haben beide einen Marshall JCM 900 als Topteil mit Marshall 4x12 Boxen. Der JCM 900 ist für Rock natürlich sau geil, aber die Marshall Verzerrung kann man für härtere Sounds einfach völlig vergessen, weshalb wir live digitale Effektgeräte davor schalten und nur die Endstufen benutzen. Asvargr benutzt ein Boss GT-3, ich ein Boss ME-8 Multieffektgerät. Eigentlich finde ich unseren Gitarrensound live ziemlich gut, im Studio habe ich aber bis jetzt keine wirklich zufriedenstellenden Erfahrungen mit digitalen Verzerrern gemacht, weshalb wir für die Aufnahmen von „Séance“ eben nur analoge Vollröhrenamps benutzt haben, die von sich auf einfach die nötige Distortion und Brutalität besitzen.

Mit welcher Band würdet Ihr gerne mal auf Tour gehen?

Mit fucking Naglfar! Eigentlich waren wir bzw. unsere Plattenfirma an der Tour mit Dark Funeral und Naglfar dran, aber wer zu erst kommt malt zuerst oder so, und andere waren einfach vor uns dran.

Was steht als nächstes an? Wie geht es bei Euch weiter?

Es geht gerade so richtig intensiv mit Interviews los, des weiteren spielen wir natürlich hoffentlich eine Europatour im Frühjahr und ansonsten sollten auch einige Festivals drin sein. Wenn wir „Séance“ erst mal verdaut haben, werden wir wohl irgendwann das nächste Album in Angriff nehmen, dazu müssen wir aber erst wieder unsere kreativen Energien sammeln.

von Stephan Oberländer | 10.01.2006 | Kommentare (0) | Kommentar schreiben

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